BISSINGEN NIPPENBURG Ernst Karl Josef Maria, Graf (Bela Crkva/ Ungarisch-Weißkirchen, 15 02 1885 – 01 07 1959, Budapest) war zu Kriegsbeginn Oberleutnant und stvKdt der 6. Eskadron. Im März 1915 wurde er zum Rittmeister befördert. Sein Vater war Generalmajor (Maria) Ferdinand Anton BISSINGEN NIPPENBURG, (Wien 21 03 1856 - 24 12 1937, Székesfehérvár, sein (Ur-?) Großvater Cajetan (österreichischer Statthalter in Tirol und Venedig sowie württembergischer und deutscher Politiker), seine Mutter Irma Adamovich de CSEPIN (Gleichenberg, 13 07 1858 – 04 12 1935, Harff).

Sein Bruder Ernst war während des Krieges Botschafter in St. Peterburg.

 

Bild 1:  Ausschnitt aus Gruppenfoto mit anderen Offizieren, September 1916, Marburg, Nachlass Otto URBAN

 

Ernst heiratete in Vlajkovecz/Vlajkovac (Serbien, Vojvodina) am 14 02 1920 seine Cousine, die Gräfin Livia von BISSINGEN und NIPPENBURG (17 01 1893 – 06 11 1962). Sie besaßen und bewohnten das Schloss BISSINGEN bis zur Enteignung 1945. Heute ist es eine Ruine. Ihr Sohn war Rudolf (Vlajkovecz, 03 12 1920 - ?). 

 

Bild 2: Das Ehepaar BISSINGEN-NIPPENBURG, Februar 1920, Wiener Salonblatt Nr. 7, 3. April 1920

 

Ernst trug mit handgeschriebenen Erinnerungen zum Buch bei, wird dort 31x erwähnt und muss ein rechter Haudegen gewesen sein, da er fortwährend bei „Sonderkommandos“ teilnahm („Kavallerie­ Streifkorps“):

 

08. Oktober 1914:

Die zur II. Division gehörige 6. Eskadron, Oblt. Gf. BISSINGEN, hatte beim Aufbruch aus dem Raume von Brzozow versehentlich vom 6. ITD Kmdo keinen Befehl erhalten. Sie marschierte daher selbständig, übersetzte den San auf der eben fertig gewordenen Kriegsbrücke bei Wara und strebte sodann in starken Märschen über Bircza gegen Przemysl, wo sie als erste Truppe des Entsatzheeres eintritt, freudigst begrüßt von den Verteidigern“.

 

15. November 1914:

Der 6. Division gegenüber befand sich anscheinend zunächst nur das Kavalleriekorps des Grafen KELLER (russischer Sieger bei Jaroslawice). Gegen Teile von diesem hatte ein über Dukla vorgegangenes Nachrichtendetachement des IR 7, dem die halbe 6. Eskadron unter Oblt. Gf. BISSINGEN zugeteilt war, bei Wietrzno ein schweres Gefecht zu bestehen, in dem sich die Dragoner besonders auszeichneten. Der Führer des Detachements, Hptm ZBOROWSKI, berichtete wörtlich: >Offiziere und Mannschaften leisteten Hervorragendes. Von der Kavallerie hat Hr. Oblt. Gf. BISSINGEN des DR 5 nicht nur seine kavalleristischen Aufgaben in glänzender Weise gelöst, sondern auch mit seltener Unerschrockenheit in einem kritischen Augenblick im ärgsten feindlichen Feuer das Kommando über eine Infanterieabteilung übernommen und diese zu Fuß geführt. Die Kavalleriemannschaft hat unter den schwierigsten Umständen durch verschleiernde feindliche Kavallerieregimenter drei Patrouillenritte mit großer Todesverachtung und vorzüglichem Erfolg durchgeführt. Ihr Benehmen war nicht nur tapfer, sondern auch umsichtig und über jedes Lob erhaben. Meine Kompagnie jubelte während Gefechts diesen bewunderungswürdigen, den alten Ruf unserer Reiterei in so hervorragender Weise bewährenden Kavalleriekameraden zu<“

 

24 Dezember 1914:

Oblt. Gf. BISSINGEN war am Morgen mit einer Patrouille zur Verbindung mit der nun im Verband des IX. Korps kämpfenden 11. HKTD abgeritten, die sein Vater befehligte (vorher war er Kommandant der 19. Honved Kavallerie Brigade Budapest/5. HKD). Unsere II. Div. bezog abends Quartiere in Grudna Klepska am Südufer der Ropa“.

 

Februar 1915:

Fähnr. Freih. v. WIMMERSBERG berichtet über eine Begegnung, die er in diesen Tagen mit seinem Schwadronskameraden Rittm. Gf. BISSINGEN hatte, der vor einiger Zeit dem Streifkorps des Rittm. Freiherr v. VIVENOT (Teile 5. HKD?) zugeteilt worden war. Dieses hatte zunächst in der Bukowina sein Glück versucht und war nun am Marsche nach Nadworna. „Als ich mich", schreibt WIMMERSPERG, „dem am Ende der Kolonne reitenden BISSINGEN anschloß, um seine Erlebnisse zu erfahren, fiel mir ein zarter schmucker Dragoner auf, der das Blessiertenträgerabzeichen trug. Dies ist, erklärte mir BISSINGEN, eine junge Gräfin KHEVENHÜLLER, eine Nichte VIVENOTs. Sie hat aber mehr Courage im Leibe als das ganze Streifkorps."

 

Rittm. Ernst Gf. v. BISSINGEN und NIPPENBURG war dem im Winter 1914/15 unter Rittm. d. R. Freiherr v. VIVENOT aufgestellten „Kavallerie­ Streifkorps" zugeteilt worden. Dieses bestand aus 2 Eskadronen und 3 MG und war zuerst in der Bukowina eingesetzt. Im März 1915 stand es im Verband des XI. Korps am Dnjestr westlich des russischen Brückenkopfes von Zaleszczyki, den die 30. ID dem Feinde entreißen sollte. Damals führte BISSINGEN das Streifkorps. Zur Vorbereitung des Unternehmens gegen den Brückenkopf sollte BISSINGEN mit zwei Zügen und den Maschinengewehren, verstärkt durch eine tschechische und eine ungarische Landsturmkompagnie (je 100 Mann) den Dnjestr westlich des Brückenkopfes übersetzen, um am nördlichen Ufer, das in russischer Hand war, festen Fuß zu fassen. Sobald dies gelungen, sollte bereitgestellte starke Infanterie folgen und den Angriff gegen Flanke und Rücken des Feindes durchführen. Die Gruppe BISSINGEN überschiffte am Abend des 21. März - wider alles Erwarten unbehelligt ­ den Dnjestr, sandte auftragsgemäß Meldung darüber an das XI. Korpskommando und rückte nach Zurücklassung eines Kavalleriezuges an der Übergangsstelle in der Dunkelheit gegen die von Zaleszczyki nordwärts führende Straße vor. Unweit von dieser stieß man auf den offenbar überraschten Gegner und es entwickelte sich ein Feuergefecht. BISSINGEN sandte hierüber neue Meldung ab. Allein Stunde auf Stunde verrann, ohne daß die erwartete Infanterie erschien. „Bei Morgengrauen, als die Russen die Schwäche ihres Gegners erkannten und nun mit großer Übermacht zum Gegenangriff schritten, außerdem nebst russischer Artillerie auch noch eigene vom südlichen Ufer her unsere Kämpfer beschoß, wurde die Lage kritisch. Nach mörderischem Nahkampf und großen Verlusten mußten die Reste der tapferen Schar gegen den Fluß zurückweichen. Sie konnten, da die Russen bald von der Verfolgung abließen, noch glücklich das Südufer erreichen. Die ungarische Landsturmkompagnie war bis auf 16 Mann aufgerieben, ihr sechzigjähriger Führer, Lt. DECSI, ein bekannter Politiker, war heldenmütig kämpfend, im Handgemenge gefallen“.  Das kühne und so opferreiche Unternehmen der Abteilung BISSINGEN war also ganz umsonst gewesen, eine prächtige Gelegenheit zu einem großen Erfolg war vom XI. Korps unausgenützt geblieben. Wie sich später herausstellte, war die Ursache in einer groben Fahrlässigkeit zu suchen. BISSINGENs Meldungen waren nämlich bei der 30. ID unverantwortlicher Weise bis zum Morgen liegen gelassen und erst mit dem Morgenbericht an das Korpskommando weitergeleitet worden. Dort hatte man die ganze Nacht gespannt darauf gewartet und als jede Nachricht ausblieb, natürlich den Einsatz der Hauptkräfte unterlassen“.

 

Rittm. Gf. BISSINGEN wurde mit dem Orden der Eisernen Krone III. Klasse belohnt.

 

Am 10. September (1915) schieden die Fünferdragoner aus dem Verband des III. Korps, um gleich anderen hinter der Front der Isonzo-­Armee verfügbaren Kavallerieabteilungen im Küstenschutz Verwendung zu finden. Das Regimentskommando übersiedelte nach Opcina, wo Obst KRANZ den Befehl über den Abschnitt von S. Croce bis Jesero (südöstlich Triest) zu führen hatte. An Truppen unterstanden ihm außer dem eigenen Regiment samt der Marscheskadron des Rittm. Gf. BISSINGEN verschiedene Kavallerie-, Küsten- und Eisenbahnschutz­ sowie Finanzwachabteilungen und 1 1/2 Batterien. Die Marschschwadron bestand aus Reitern der Dragoner-Regimenter 5, 4 und 15. Ihr Führer war Rittm. Ernst Graf BISSINGEN. Die Schwadron gelangte zunächst nach Prosecco bei Triest, wo sie der 94. IBrig unterstellt und zum Straßensicherungs-Dienst verwendet wurde.

 

1917 befehligte Rittm. Ernst Gf. BISSINGEN die 1. MG.-Schwadron der I. Division DR 5.

 

Orden der Eisernen Krone III. Klasse

Militärverdienstkreuz III. Klasse

 

Bei der Schwadron befand sich zur Zeit Lt. Max Gf. BISSINGEN“ (1916).

Vermutlich war Max ein Cousin von Ernst und der Sohn des Linienschiffs-Leutnant (Maria) Maximilian  Anton Graf B. v. N. (*Wien, 28 02 1860, + 03 10 1903, Pola) auf der SMS LEOPARD 1897 -  1899 verheiratet (Graz) seit 10 04 1893 mit Sophie Gräfin Ledóchowska (1871 - 1944).

Die Lebensdaten wären (sehr jung für einen Leutnant, aber auf Grund der Kriegsumstände möglich): *Bregenz 26 09 1895, + 02 07 1941, Toulouse; verheiratet in Graz 1922 (geschieden 1937) mit Anna von WILDBURG.

Max Gf. BISSINGEN wurde am 4. November 1917 zum Oberleutnant befördert.