Leseproben aus dem Tagebuch Curt Krieghammers, hier die Neujahrstage 1915 und 1916


1./1. 1915

Nachdem [obwohl] wir erst um 3 Uhr früh uns niedergelegt haben, muss ich um 5 Uhr aufstehen und auf Nachrichten-Detachement [N-Det] gehen. Der 4. Zug verspätet sich um eine Stunde. Ich reite wegen der Verspätung im flotten Tempo über Alsopagony bis auf die Passhöhe südlich Ozenna, wo mich ein Zug vom IR 97 erwartet und dann nach Vortreiben von Kav- und Inf-Patr weiter bis Ozenna, wo ich mit dem westlichen N-Det Gariboldi zusammentreffe.

Die „ausgesuchte“ Patr-Mannschaft von IR 97 bewahrt sich gar nicht, sodass ich schließlich Filipič mit einer Dragoner-Patr zu Fuss vortreibe, um die auf den Hohen westl. Ciechania [Dolina Ciechani] gemeldete fdl. Feldwachenlinie genau festzustellen.

Ich benutze auch die bei Gariboldi einlaufenden Meldungen sowie die Aussagen zweier Konfidenten und sende im Ganzen 5 Meldungen. Abends rücke ich [gemäß] dem durch das IR 97 erhaltenen Befehle ein.

Treffe Götz und Airoldi, welch Letzterer sagt, dass 22. LITDkmdo hatte gesagt, ich hätte draußen bleiben sollen und morgen werde allgemeine Offensive aufgenommen werden, zur Unterstützung des von den Russen bedrängten IX. Korps. So ein Wahnsinn mit unserer wohl kaum ergänzten und doch recht demoralisierten Infanterie! Wir haben ja samt den letzten Ergänzungen noch nicht einmal halben Kriegsstand.

 

1./1. 1916.

Es friert weiter fest. Die Kämpfe gehen weiter. Ein russ. Halb-Baon ist nach Latacz gestern abends vorgegangen, hat zuerst die Husaren aus Dabrowa zurückgeworfen, nach Latacz eingedrungen und hat dadurch auch unsere Patrouillen ([Wchtm Josef] Priveršek von der 1. Eskadron und Sancin) nach längerem Gefecht zum Räumen des Ortes gezwungen.

Gegen 2 Uhr  früh nehmen unsere Patrouillen, durch 25 Mann der 1. Eskadron verstärkt, zuerst den Ortsabschnitt um das Herrenhaus wieder ein, nachdem sich die Russen hauptsächlich nach Dabrowa konzentriert haben, wo sie von unserer Artillerie ausgeräuchert werden. Dann gehen auch die Husaren wieder an das Ortsende von Latacz vor.

 

Nachmittags mache ich mit der Mannschaft verschiedene Spiele mit Tabak und dem Christbaumschmuck als Preisen. Zwei von Priveršek und Sancin gefangene Russen sagen aus, sie hätten Auftrag bis an den Dnjester aufzuklären. Latacz wird mindestens bis zu den russ. Weihnachten ein unruhiger Posten bleiben. Die Russen sollen sehr nervös sein, weil sie nicht wissen, wo [der deutsche General-Feldmarschall August von] Mackensen steckt und sollen glauben, dass wir dt. Verstärkungen bekamen und hier an der Strypa oder in Bessarabien durchstoßen wollen.