Artur Hermann Rudolph Freiherr von PIELSTICKER (Oblt– Oberst), *4./10. 1881 in Wien, +5./1. 1960 in Kufstein, war 1914 der stellvertretende Kommandant der Maschinen-gewehrabteilung 11 (MGA 11), welche von Anbeginn des Krieges zur 2. Kav Div abgestellt war.

Vater: Ludwig v. Pielsticker, (1824 Osnabrück – 1900, Lussingrande, Istrien), Feldmarschall-Lt, Geheimer Rat.

 

Bild: Als Rittmeister ca. 1916

 

Mutter: Polyxene Maria Therese v. Chariatis

Bruder:  Ernst (1895 als Leutnant zum Kaiser Franz-Dragoner Regiment Nr. 1 ausgemustert, später Oberst im 1. Bundesheer, verst.: 28. Juli 1936, Graz). Schwester: Alice.

Großcousin: Otto v. Pielsticker von Pfeilburg, * 1867, † 1940; k. u. k. Oberst, Sohn des Generals Arthur v. Pielsticker (1838–1908) von Pfeilburg.

Arturs Adresse im Jahr 1918 war Graz, Wormgasse 7.

Am 31. Mai 1921 heiratete er in der Kirche St. Leonhard in Graz, Anna Constanze Marie, geb. von POTT (geb.: in Pula, 24 02 1895). 1938 trat er aus der Kirche aus und ließ sich am 9.9.1938 vor dem Amtsgericht Innsbruck von seiner Frau scheiden.

 


Foto: Als Oberleutnant mit dem MG-Abzeichen am Kragen bei der Verleihung von Auszeichnungen an Soldaten des MG-Zuges.

 

Im November 1915, vorübergehend beim UR 5 eingeteilt, wurde Rittm PIELSTICKER zum ersten Mal verwundet.

 

Die Aufzeichnungen über die MGA 11 sind durch die Abstellung zur 2. Kav Div generell sehr rudimentär, dennoch wird Artur PIELSTICKER 18x in der Regimenstgeschichte namentlich erwähnt. Darunter folgende Episode seiner Gefangennahme durch die Russen und den Tod Lt NEDWEDs, welche nach dem Krieg noch zu einer Untersuchung führte (siehe auch Ehrengerichtsverfahren Franz TAX-SZILVAY).

 

15. Juni 1916 Strypa Front bei Gnilowody (PIELSTICKER war bereits Kdt der MGA):  „Die MGA, Rittm Freih. v. PIELSTICKER, war nach Kurdwanowka zum dem IR 223 abgegeben worden, dessen Abwehrkampf sie vorzüglich unterstützte. Der 15. Juni ist durch den Heldenkampf unsrer Maschinengewehrabteilung denkwürdig. Sie erhielt um 2 Uhr 30 früh den Befehl, in die Gefechtslinie vorzugehen, und sich dort dem Hptm FUNK (IR 88) zu unterstellen.

Rittm Freih. v. PIELSTICKER ritt voraus, um sich persönlich die Weisungen für den Einsatz der Maschinengewehre zu holen; Oblt TAX, Führer des 1. Zuges, sollte die zu Fuß formierte Abteilung unter Bedeckung eines Dragonerzuges nachführen.

Obwohl unausgesetzt aufsteigende Leuchtraketen und schwaches Gewehrfeuer den Verlauf der eigenen Front unschwer erkennen ließen, verlor TAX die Orientierung und begab sich nun für seine Person auf die Suche. Dabei verirrte er sich dermaßen, daß er den ganzen Tag über verschollen blieb. PIELSTICKER holte selber seine Abteilung heran und stellte die Maschinengewehre an den zugewiesenen Plätzen auf. Der 1. Zug gelangte in eine Hakenstellung, der 2. Zug (Lt. NEDWED) an den rechten Flügel der Komp. FUNK. Weiter rechts schloß an diese das deutsche Reserve IR 221 an.

Gegen 10 Uhr vormittags führte ein russischer Teilangriff zum Verlust eines Frontstückes. PIELSTICKER, in der Umfrage nach Oblt TAX begriffen, befand sich zufällig gerade an dieser Stelle. Seinem beherzten Eingreifen gelang es, die geworfene Besatzung aufzuhalten und persönlich zum Gegenstoß wieder vorzuführen, so daß nicht nur der verlorene Graben zurückgenommen, sondern auch eine Anzahl von Gefangenen eingebracht wurde. In diesem Kampf erhielt PIELSTICKER einen Streifschuß am Kopfe, er blieb jedoch auf seinem Posten, ließ sich erst während einer Gefechtspause, geraume Zeit später, am Verbandplatz verbinden und begab sich sodann gleich wieder zu seiner Abteilung. Um 5 Uhr nachmittags erfolgte nach kräftiger Artillerievorbereitung ein neuer mächtiger Ansturm. Die Russen brachen links vom Zug NEDWED ein und begannen die Stellung aufzurollen. PIELSTICKER, der sich zur Zeit beim Zug NEDWED befand, eilte zu den rechts anschließenden Deutschen, um Unterstützung heranzuholen. Unterdessen bedrängten aber die eingedrungenen Russen auch schon die MG NEDWEDs. Unsere Leute, angefeuert durch ihren wackeren Zugskommandanten, kämpften mit Löwenmut. Der Leutnant an die hintere Grabenwand gelehnt, hielt sich mit der Pistole die Angreifer vom Leibe, bis ihm ein Russe von hinten das tödliche Bajonett durch den Leib rannte. PIELSTICKER war ebenfalls in einen Haufen Russen geraten und wehrte sich mit der Pistole bis zum äußersten, konnte jedoch gegen die Übermacht nicht mehr aufkommen und geriet mit den Resten des Zuges NEDWED in Gefangenschaft.

Der 1. MG-Zug, der noch immer seines Führers entbehrte, wurde in die Flucht der Infanterie hineingerissen. Außer den beiden Offizieren hatte die Maschinengewehrabteilung in diesem Kampfe 14 Mann verloren. Von den 4 MG konnten nur 2 (ohne Gestell) gerettet werden.

Oblt TAX, der auf seinen Irrgängen eine leichte Verwundung erlitten hatte, war in Gnilowody verbunden worden und übernahm als letzter Offizier der Maschinengewehrabteilung am Abend das Kommando über diese. Sie wurde zur Auffüllung nach Muzylow verlegt.

Die Gefangennahme des hervorragend tüchtigen und tapferen Oblt PIELSTICKER war ein unersetzlicher Verlust für das Regiment. Er hatte schon früher im Verbande der 2. KTD Ausgezeichnetes geleistet und sich dort größte Anerkennung erworben. Leider liegen darüber keine Aufzeichnungen vor“.

 

1918 kam PIELSTICKER aus der russischen Gefangenschaft zurück und wurde beim DR 11 in Südtirol eingeteilt. 1918 leitete er einen Schi- und Alpinkurs am Arlberg.

 

Rittm Freih. v. PIELSTICKER wurde für sein tapferes Verhalten in den Kämpfen 1916 mit dem Orden der Eisernen Krone III. Klasse ausgezeichnet.

 

Orden der Eisernen Krone III. Klasse

Militärverdienstkreuz III. Klasse

Silberne Militärverdienstmedaille

 

Artur hat im Bundesheer der 1. Republik weitergedient und zwar beim Brigadekommando Nr. 6 in Tirol. Wohnhaft war er damals im Schloss Felseck (Mentelberg), Wiltenberg 3, Innsbruck, bzw. Bruneckerstraße 6. 

 

Bei der Gemeinderatswahl in Innsbruck im April 1933 ließ er sich für die NSDAP aufstellen (Quelle: Innsbrucker Nachrichten vom Mittwoch, den 19. April 1933, Nr. 91, S. 10).

Am 28. September 1933 wurde er in Innsbruck wegen "geheimer Verbindung" zur NSDAP in München verhaftet. 

Ab dem 20.4.1941 war er SS-Sturmbannführer im Reichssicherheitshauptamt. (Quellen: SS-Dienstalterlisten). NSDAP Mitgliedsnummer: 1 213 745, SS Nr. 314 996.