NOCH NICHT IDENTIFIZIERT!

Ulysses Nikolaus SIMUNICH, Rittm - Major i. R., geboren in Fiume am 03-01-1879, Sterbedatum unbekannt, war 1914 der Kommandant des Pionierzuges und avancierte im Oktober 1914 zum Kommandanten der 6. Eskadron, in welcher der Pi-Zug eingegliedert wurde. Vermutlich war Feldzeugmeister Balthazar SIMUNICH (25-04-1785, Novigrad, bis 09-07-1861, Weinhaus, - verm. ein damaliger Vorort von Wien) sein Vorfahre.

 

Ulysses Vater Johann hatte offenbar Güter im heutigen Slowenien und Ulysses wohnte 1928 mit seiner Familie in Šmarjeta pri Novem mestu (Quelle: Briefe an GARIBOLDI). Auf Grund des Abkommens vom 31. August 1941 zwischen Deutschland und Italien, beide damalige Besetzer Sloweniens, wurden „Volks- und Reichsdeutsche“ aus der Provinz Laibach, aus dem sogenannten Gottschee-Gebiet umgesiedelt, indem man ihnen bessere Bedingungen in Deutschland versprach. Gemäß Umsiedelungsverzeichnis war Ulysses damals in Zbure wohnhaft und hatte zwei Töchter: Elfriede (05-01-1920, Laibach) und Margarethe, Schülerin (17-12-1928, Šmarjeta).

 

Ulysses trug mit seinem persönlichen Kriegstagebuch, insbesondere die II. Division DR 5 zu Beginn des Krieges betreffend, zur Erstellung der Regimentsgeschichte wesentlich bei und wird darin 52 x genannt. In den letzten Kriegsjahren gibt es über ihn leider spärlichere Aussagen.

 

Ulysses berichtete sehr ausführlich über bereits am 25. August 1914 aufgetretene „Kosakenpanik“ bei der 22. Landwehr-Infanterietruppen-Division (LITD) und der tags darauf ersten „Feuertaufe“:

„- Weitermarsch von Hanaczow über Przemyslany. Bald nach Durchschreiten dieses Ortes (2 Uhr nachm.) wird unsre Kolonne von russischer Artillerie stark beschossen. Wir galoppieren auf eine Höhe und bleiben dort bis zum Einbruch der Dunkelheit… In Lipowce wird gerastet und sodann um 1 Uhr nachts weitermarschiert. Kaum sind wir aus dem Orte hinaus, erhält der Anfang der Kolonne plötzlich Feuer. Hiedurch erschreckt, gehen viele Pferde, kurzkehrt machend, durch. Mein ,Halt!' Schreien fruchtet nichts, ich werde überritten. Die scheugewordenen Tiere zersprengen die hinter uns folgende MGA in alle Winde. Gleichzeitig fallen auch von rückwärts, vermutlich von russischen Parteigängern, Schüsse aus den Häusern, wodurch die Panik noch vermehrt wird. Es entsteht in der Finsternis ein heilloses Durcheinander, und da sich dies alles in einem tiefen Hohlweg abspielt, gibt es viele gestürzte Pferde und Leute, die sich im Knäuel wälzen. Mir und meinen Leuten gelingt es, eine Anzahl herrenloser Pferde einzufangen, doch erst nach geraumer Zeit, als endlich die Schießerei aufhört, kann mit vieler Muhe die Ordnung wieder hergestellt werden. Ich habe etwa ein Dutzend lediger Pferde bei mir; nach und nach finden sich ihre Reiter wieder ein, kehren auch jene zurück, deren Pferde durchgegangen waren. Erst gegen Tagesanbruch konnte der Marsch fortgesetzt werden. Die 43. LIBrig, der ich mit dem Pionierzuge am Morgen zugeteilt wurde, setzte von Lipowce den Vormarsch in nordöstlicher Richtung fort. GM. NEMECZEK befiehlt mir vorauszureiten und - da fortgesetzt Höhen und Niederungen zu passieren sind - jedes Mal auf den Höhen gut Ausschau zu halten, ob sich irgendwo Feind zeige. Als wir bei einem Walde eintreffen, liegen vor uns die Höhen südöstlich Gologory. Schon vorher hatten wir einige feindliche Artilleriegrüße erhalten. Es wird nun zum Angriff übergegangen. Dieser gestaltet sich im weiteren Verlauf überaus verlustreich, da die Russen sehr gute Stellungen innehaben und ihre Artillerie vortrefflich eingeschossen ist, während die eigene Artillerie nicht näher heranzukommen, daher die Infanterie nicht zu unterstützen vermag; ja sie gefährdet diese sogar manchmal durch zu kurzes Schießen. Aus diesem Grunde will der Brigadier selbst einen näheren Aufstellungsplatz für die Artillerie suchen, und reitet unter Bedeckung des Pionierzugs in eine bewaldete Niederung. Nach scharfem Ritt nähern wir uns einem Wald und erblicken darin Gestalten, die wir für eigene Infanterie halten. Beim Näherkommen entdecken wir jedoch zu unsrer unangenehmen Überraschung, daß es Russen sind, etwa eine Kompanie stark. Sie empfangen uns mit heftigem Gewehrfeuer. Wir machen natürlich kehrt und traben im Kugelregen durch die Lichtung zurück. Ein paar feuerscheue Leute vom Zuge gehen im Galopp durch. Dabei kommt das Ekrasit-Tragpferd bei einer Bodenstufe zum Sturz. Nach Erreichung des schützenden Waldes sende ich alle Durchbrenner zu Fuß zurück, um das gestürzte Pferd zu holen. Dieses lag infolge des aufgepackten Gewichts am Rücken, unfähig sich selbst zu erheben. Leider war dabei auch der Tragsattel gebrochen, so daß jetzt die Ladung nur mit Mühe und Not fortgebracht werden konnte. Als wir an unsern früheren Standort zurückkehrten, war der Angriff unsrer Infanterie schon mit schweren Verlusten zusammengebrochen. Wir gingen zurück. Schließlich wurden rückwärtige Höhen besetzt, um die feindliche Verfolgung zu verhindern. Wir nächtigten in einem kleinen Walde".

 

Auffällig ist das ständige Versagen des Trains und der Artillerie in den ersten Wochen des Kriegs an der Ostfront: „Ich bin gerade dabei, in dem Trainchaos einigermaßen Ordnung zu schaffen, als plötzlich einige russische Schrapnells dahergesaust kommen. Darob entsteht sofort die übliche Panik; alles beeilt sich, die Straße zu gewinnen. In dem wahnsinnigen Gedränge werden Wagen umgestürzt, Pferde zu Fall gebracht, Menschen niedergetreten und von den sinnlos Nachjagenden überfahren. Ich selbst, in diesem Wirrwarr völlig machtlos, vermag mich mit meinen Leuten nur mit Mühe und knapper Not auf einen Seitenweg zu retten. Als ich später erfuhr, daß der allgemeine Rückzug angetreten sei, beschloß ich, gegen Romanow zu reiten. Auf dem Wege dahin kommen uns auf einmal 30 bis 40 Fahrkanoniere im schärfsten Galopp nachgejagt und wollen an uns vorbei. Ich stelle mich ihnen in den Weg und bringe sie energisch zum Halten. Ganz verstört berichten sie, daß sie von Kosaken gejagt wurden. Ich befehle ihnen, sich uns anzuschließen und reite im Schritt weiter. Nicht lange nachher - es war mittlerweile die Nacht eingebrochen – treffe ich einen gut gekleideten Zivilisten, der beim Scheine seiner Taschenlaterne Aufzeichnungen in sein Notizbuch macht. Als er uns erblickt, springt er auf und will davonlaufen. Ich galoppiere ihm nach und verlange seine Papiere. Da seine Notizen unverkennbar militärische Angaben enthalten, die ihn als Spion entlarven, mache ich nicht viel Federlesens und schieße ihn nieder. Nach dem Erreichen von Romanow bezogen wir auf einer Höhe Freilager. Die mitgenommenen Artilleristen, denen es hier offenbar zu gefährlich vorkam, verschwanden im Laufe der Nacht."

 

Zur Schlacht bei Grodek erwähnt Rittm SIMUNICH: „Die Schlacht stand für uns günstig und alles war voll Zuversicht. Als um 11 Uhr nachts der Befehl zum Rückzug eintrifft, ist die Überraschung allgemein, denn kein Mensch dachte an einen solchen. Die Stimmung ist infolgedessen ziemlich gedrückt."

 

Rittm SIMUNICH hatte immer wieder für das geordnete Abfließen der Truppen und Trains über Brücken zu sorgen und nachher die Sprengung durchzuführen: „Um 7 Uhr früh war alles zur Sprengung fertig und der Übergang der Truppendivision beendet; nur Nachzügler, Versprengte, Verwundete kamen noch nach. Auch die noch am Feinde belassenen Kavallerie-Patrouillen rückten ein und meldeten übereinstimmend, daß der Feind nirgends nachdränge. Nur eine war noch ausständig: die zur Verbindung mit der 16. ITD entsendete Patrouille des Lt. Freih. v. GRAMMONT. Dies veranlaßte mich, mit der Zündung noch zuzuwarten. Als aber um 11 Uhr vormittags der strikte Befehl eintraf, die Sprengung unverzüglich durchzuführen, konnte nicht länger damit gezögert werden. Unter dröhnendem Gekrach stürzte die Brücke zusammen. Unmittelbar nachher bemerkte man am jenseitigen Ufer eine Dragonerpatrouille – zweifelslos jene GRAMMONTs- die von Kosaken gejagt, der Brückenstelle zustürmte. Da ihr nun leider der rettende Ausweg abgeschnitten war, mußte sie sich nach kurzem Feuergefecht, wobei der Offizier verwundet wurde, den Verfolgern ergeben. - Der Pionierzug rückte sodann zur Kombinierten Division nach Dobrzany ein, die im Verbande der 22. LITD am Abend noch bis Milczyce weitermarschierte. Obwohl die Entfernung bloß 5 km betrug; erreichte man unter vielen Stockungen - weil der Weg durch Truppen und Trains verlegt war - erst um Mitternacht das Marschziel. Am 13., einem Regentag, gelangte die Landwehrdivision nach anstrengendem Marsche in den Raum Tamanowice - Bolanowice, unsre Kombinierte Division nach Lutkow (nordwestlich Krukienice); sie war als Artilleriebedeckung verwendet worden. Trains und Fahrküchen erreichten infolge der elenden Wege ihre Abteilungen an diesem Tage nicht. Die 4. Eskadron war, aufgeteilt, beider Trainkolonne den ganzen Tag und die folgende Nacht in Verwendung, um bei den fortwährenden Stockungen, verursacht durch die schlechten Wege, die schweren Fuhrwerke und die Ermüdung der Pferde, helfend einzugreifen. –Die Eskadronen hatten infolge der Strapazen der letzten Zeit eine beträchtliche Anzahl maroder, hauptsächlich gedrückter Pferde, die nun zum Train abgegeben wurden“.

 

(GARIBOLDI:) In der Nacht zum 8. November 1914 war Rittm SIMUNICH mit dem Pionierzuge vorausgeschickt worden mit dem Auftrage, neben der Kriegsbrücke von Jablonica eine Rollfähre zu errichten, damit nach Abtragung der Brücke den noch nachkommenden Patrouillen und Nachzüglern der Uferwechsel ermöglicht werde. Nachdem gegen Mittag der Übergang der auf diese Linie gewiesenen Truppen beendet war, wurde die Kriegsbrücke von den Pionieren abgebrochen. Im Laufe des Nachmittags überschiffte sodann der Pionierzug mit der Rollfähre noch zahlreiche Trupps von Soldaten und flüchtenden Landbewohnern samt ihren Fuhrwerken. Gegen Abend sah man auf den östlichen Uferhöhen verdächtige Rauchsäulen aufsteigen - das bekannte Zeichen, womit verräterische Landleute den Feind zu benachrichtigen pflegten. SIMUNICH entsandte sofort zwei Patrouillen zur Festnahme der Übeltäter, und tatsächlich brachten diese nach kurzer Zeit vier junge Burschen ein, die bei den Feuerstellen ertappt worden waren. Bald darauf erschienen auf jenen Höhen russische Reiter, die das Feuer gegen die Bedienung der Rollfähre eröffneten. Obwohl SIMUNICH auch den Rest seiner Leute zum Feuergefecht einsetzte, war angesichts des sich ständig verstärkenden Gegners an eine Fortsetzung der Überschiffung nicht mehr zu denken; die am jenseitigen Ufer noch Harrenden mußten ihrem Schicksal überlassen werden. Die Fähre samt Seil wurde durch Sprengung vernichtet, worauf der Zug aufsaß und unter dem Feuer des Gegners abritt. Eine Patrouille blieb zur Beobachtung der Übergangsstelle zurück. Gegen die vier Verräter ließ man in Anbetracht ihrer Jugend Milde walten; sie wurden gefesselt an Ort und Stelle zurückgelassen. Der Pionierzug erreichte die Division am nächsten Tage in Lezany.

 

Am 11. Dezember rückte die 6. Eskadron auf der Straße gegen Neusandec bis Labowa. Hier wäre ihr Führer Rittm. SIMUNICH beinahe das Opfer eines tückischen Anschlages der abgezogenen Russen geworden. Diese hatten nämlich im Ofen seines Quartiers Sprengstoff verborgen, der natürlich beim Anzünden eines Feuers verheerend gewirkt hätte. Glücklicherweise kam dem Offizier rechtzeitig der Gedanke, vor dem Einheizen im Ofen nachzusehen.

 

Infolge ernster Erkrankung mußte SIMUNICH am 7. April 1915 in eine Heilanstalt abgehen.

 

1917 wurde der Pionierzug zu einer Technischen Schwadron der 4. KTD unter Rittm. SIMUNICH ausgestaltet. Alle Kommandos erhielten Fernsprechgerät.

 

Militärverdienstkreuz III. Klasse

Silberne Militärverdienstmedaille