Dem blutjungen Fähnrich Tassilo WIMMERSPERG (–Rittmeister, Freiherr/Baron) traf der drohende Kriegsausbruch durch die Ermordung des Thronfolgers als Zögling des IV. Jahrgangs in der Kadettenschule Mährisch-Weißkirchen während einer Übungsreise nach Krakau. Er musste vorzeitig ausgemustert am 1. August als Fähnrich zur 6. Eskadron nach Windisch Feistritz zu Major SCHILDENFELD einrücken. Er selbst sagte, dass er vorerst nur pro forma Zugskommandant des II. Zuges gewesen wäre und meinte, dass es eigentlich de facto der erfahrene und resolute Stabwachtmeister RATH war. Sein Mut und sein Geschick in den ersten Kämpfen dürfte ihm aber bald den entsprechenden Respekt sichergestellt haben.

 

Bild 1: Als Leutnant, bei Nizniow, Ende Juli 1915, Ausschnitt von Gruppenbild, Nachlass Otto Frh. v. URBAN,

 

Seine Familie war der schlesisch-österreichische Zweig der WIMMERSPERG. Der Offiziersberuf war Tradition in der Familie. Sein Vater war 1914 Kommandant der Brigadeschule, im Krieg Stabsoffizier, Oberstleutnant bei den 16er Husaren in der 2. KTD, dann Kommandant des Ersatzkaders in Debrezen und verstarb aufgrund einer im Krieg zugezogener Erkrankung Ende Oktober 1915. Er ist am Zentral-Friedhof in Wien begraben.

 

GARIBOLDI beschrieb Tassilo als „vornehmer und ganzer Soldat, aus dem Holz geschnitten, aus dem die allerbesten Offiziere stammen“ und bedauerte in einem Brief im Jahre 1929, dass Tassilo leider eine zu kurze militärische Karriere hatte, wusste aber nicht, was er eigentlich da herbeiwünschte.

GARIBOLDI im Brief: „Na, übrigens wer weiß? Du bist ja noch jung und vielleicht siehst Du noch einstens wieder das Morgenrot leuchten!“ Tassilos Antwort auf diese Passage war: „Wenn nur der Abschluss weniger traurig geworden wäre (und meint damit den Kollaps der k.u.k. Armee im November 1918)! Ich bin nicht so ein Pessimist, um jene Hoffnung auf bessere Zeiten - oder richtiger gesagt- auf wieder ehrenvolle Zeiten aufzugebenDie bitteren Jahre, die wir hinter und noch vor uns haben, werden nicht so leicht vergessen sein, ein Ansporn mehr aber, wenn es einmal noch gelten sollte, uns eine bessere Zukunft zu gewinnen.Dieser „Ansporn“ hat Tassilo sehr früh im II. Weltkrieg das Leben gekostet

 

Bild 2: Gefallenenportrait aus dem zweiten Weltkrieg, DAB, Jahrgang LIX (1941), Seite 475.

 

Tassilo war einer der wichtigsten Beitragsträger zum Buch und wird 76x erwähnt. Zum Zeitpunkt seines Beitrags (Übersendung an GARIBOLDI am 27 11 1929) war seine Adresse Wien, Burgring 1, damals ein prominentes Wohnhaus in bester Lage. In den Jahren davor nahm er mehrmals an den Treffen des Veteranenvereins teil.

 

Sein Bruder war Heinrich F. von WIMMERSPERG, der ein modernes Sturmgewehr (die „Wimmersperg_Spz“) konstruierte. Nach dem II. WK emigrierte Heinrich nach Detroit/USA und erfand den Kindersicherheitssitz für Autos (4 Patente). Tassilo und Heinrich klagten ihren deutschen Cousin Arthur, welcher den Familiennamen und Adelstitel an zahlende Fremde verkaufte (Fall „Sauberzweig“).

 

Aufgrund des umfangreichen Beitrags Tassilos können hier nur Bruchteile seiner Erlebnisse zitiert werden. WIMMERSPERG schreibt über die Sonnenfinsternis am 21. August 1914 (Schlacht der 4. KD bei Jaroslawice) und die folgenden Marschtage: „Die Sonne erbleicht und macht einem merkwürdigen Halbdunkel Platz. Gespenstisch heben sich vom dunklen Himmel die Soldaten ab, die auf den Höhen des Brückenkopfes schanzen. Ein Raunen geht durch die Kolonne: ein übles Vorzeichen! Allmählich wird die Sonne wieder als blutig rote Kugel sichtbar und bald strahlt sie ebenso wie zuvor. In Gewaltmärschen geht es gegen den Feind. Wir (die 5. und 6. Esk.) kommen vier Tage und Nächte hindurch fast nicht zur Ruhe. Todmüde kriecht die Infanterie durch den Staub dahin, alle Augenblicke sinkt da oder dort ein Erschöpfter nieder. Wir führen streckenweise unsere Pferde an der Hand, denn im Sattel kämpft alles mit dem Schlaf und nickt ein, wenn; wie so häufig, der Marsch stockt. Schließlich müssen die unzähligen Marschmaroden der Infanterie förmlich nachgetrieben werden.“

 

Gologory, am 26 08 1914: „Es kam zur Schlacht, die für unser Korps zur blutigsten und niederdrückendsten des ganzen Feldzuges werden sollte. Obst. Br. STILLFRIED, Kommandant des IR 17, ein Freund meiner Eltern, winkte mir zu, als sein Regiment an uns vorbei zum Angriff vorging. Wenige Stunden später lag er mit den Resten seines so tapferen Regiments in der Schwarmlinie und kämpfte, obwohl schwer verwundet, mit dem Gewehr in der Hand weiter. Man mußte ihn schließlich mit Gewalt aus dem Feuerbereich tragen. Wir standen während des ganzen Gefechts abgesessen als Reserve nächst dem Friedhofe von Gologory und freuten uns, daß unter den russischen Granaten, die in dem nahen Obstgarten einschlugen, so viele Blindgänger waren. Schon war im Laufe des Nachmittags eine Menge von russischen Gefangenen an uns vorüber geführt worden, als dann ganz unvermittelt die Hiobsbotschaft vom Rückzug unsrer Infanterie eintraf. Wir saßen in einem deckenden Walde ab und bezogen eine Nachhutstellung, hinter der sich die Infanterie sammeln sollte. Feuerschein färbte den Abendhimmel, das Gefecht flaute ab. Da rasten panikartig Trains und Munitionskolonnen zurück. Schreckensrufe „Kosaken!", von Feiglingen oder Böswilligen ausgestoßen, vermehrten die Aufregung. Die Straßengräben waren alsbald mit zerbrochenen und umgestürzten Vehikeln aller Art besät. Die Fahrer der schweren Artillerie-Munitionskolonnen mit ihren für die galizischen Wegverhältnisse so unpraktischen Fahrzeugen begnügten sich damit; die Bespannungen und das eigene kostbare Leben zu retten. Bedauernswert waren die armen Verwundeten, die nach brav erfüllter Pflicht nun Opfer dieser Trainpanik wurden. An diesem Tage hat sich der Train sein Urteil selbst gesprochen.“

 

Rückzugsgefechte bei Turkocin - Stanimirz: „Dort wurde uns auch eine feindliche Eskadron gemeldet, gegen die wir zur Attacke anritten. Beim Näherkommen entpuppte sich unser Gegner als berittene Tiroler Landesschützen. Der Irrtum erscheint ganz begreiflich, denn diese Truppe war die einzige österreichische Reiterei, die damals schon hechtgrau angezogen war."

 

Gefecht bei Kocurow: „Im Nebel sehe ich eine Schwarmlinie vor mir auftauchen, die sich mit der Front Nordost im Feuergefecht befindet. Dadurch überzeugt, eigene Infanterie vor mir zu haben, sitze ich ab, um mich bei ihr nach der Lage zu erkundigen. Auf etwa 150 Schritte nahegekommen, werde ich gewahr, daß es Russen sind. In diesem Augenblick dreht sich dort eine Gestalt um, betrachtet mich durch das Fernglas und läßt dann sogleich das Feuer auf mich eröffnen. Was tun? Meine Dragoner taten das Vernünftigste, was in solcher Lage möglich war, sie saßen rasch auf und ritten davon – ich blieb allein auf weiter Flur. Um mich pfeifen die Geschosse, spritzt die Erde auf. Ich renne, was ich kann, im Zick­zack, um nicht so leicht getroffen zu werden, in der Richtung gegen Wodniki. Nur nicht gefangen werden! Das ist mein einziger Gedanke. Als mir fast der Atem ausgeht, erreiche ich einen seichten Straßengraben, nehme nun meinen Helm vom Kopfe und wandere gemächlich weiter. Allmählich läßt das Feuer nach und ich komme unverletzt nach Wodniki. Beim Ortseingang liegt mein braver Braun, tot; ein feindlicher Schuß hatte ihm das linke Sprunggelenk zerschmettert, und meine Leute hatten ihm, als er nachgehumpelt kam, den Gnadenschuß gegeben. Ich ließ meinem toten Pferd das Sattel- und Zaumzeug abnehmen und einem Bauernpferd auflegen, das mit seinem Besitzer eben des Weges kam. Der arme Bauer jammerte zwar ob der Beschlagnahme, doch konnte ich ihm nicht helfen. Während ein Dragoner das Pferd zur Eskadron zurückführte, setzte ich auf seinem Dienstpferd den Patrouillenritt fort. Die Lemberger Straße wimmelte noch immer von allerhand Nachzüglern, darunter vielen Fußmaroden. Hie und da näherten sich feindliche Reiter, um sie abzufangen, was zu kleinen Plänkeleien führte. Der Anblick meiner Reiter trug gewiß auch dazu bei, den Mut dieser Nachzügler zu heben. Nachdem ich im weiteren Verlaufe drei Meldungen über das Vorrücken des Feindes abgesandt hatte, rückte ich um 3 Uhr nachmittags zur Eskadron nach Solonnka (südl. Lemberg) ein."

 

8. September 1914: „Da die Grodeker Chaussee unter starkem Feuer liegt, ziehe ich es vor, durch die Wälder zu reiten. Zahlreiche Russenleichen liegen herum, dann kommt wieder ein Grabenstück mit todesstarren österreichischen Soldaten, ein Haufen toter Artilleriepferde usw.; der Tod hat hier furchtbare Ernte gehalten. Um 6 Uhr nachmittags melde ich mich bei GM. v. FABINI, der sich etwa 300 Schritt hinter einem von den Bosniaken gehaltenen Waldrand befindet. Die Gegend ist eben wie ein Brett, es gibt keine Deckung für meine Leute und Pferde. Da die telephonische Verbindung in diesem vom Feuer bestrichenen Raum sehr unzuverlässig ist, müssen stets fünf Reiter zum Aufsitzen bereit sein; die Übrigen können Gurten nachlassen und füttern. Plötzlich bricht ein rasendes Infanterie- und Maschinengewehrfeuer los. Es rauscht und pfeift ununterbrochen gleich einem Orkan über uns hin, von den Bäumen fliegen nur so die Späne. Jeder deckt sich, so gut er kann. Für den Infanteristen ist dies verhältnismäßig leicht, Reiter aber und Pferde sind in solchem Falle übel dran. Ich lege mich hinter einen dicken Stamm und erwarte mit Ergebung das Ende dieses unheimlichen Konzerts. Als es nach etwa einer halben Stunde ruhiger wird, begebe ich mich auf die Suche nach meinem Zug. Der Lagerplatz meiner Reiter ist leer, da und dort liegt ein Helm, ein Pelz oder sonstiges Ausrüstungsstück. Da nun aber gerade jetzt Meldereiter nötiger sind denn je, durchstreife ich hastig suchend den Wald. Krachend beginnen nun wieder schwere Granaten einzuschlagen; ihr Getöse verschluckt jeden Ruf und Pfiff. Endlich stoße ich auf Zgsfr. JARITZ, Korpl. TEICHMEISTER und meinen Putzmann, die ihre Pferde an der Hand führen, dabei auch das meinige. Wohin die übrigen geraten sind, wissen sie nicht. So schicke ich denn einen Reiter nach Grodek zur Eskadron mit der Bitte um Ersatz, den ich auch am nächsten Vormittag in Gestalt von 5 Reitern erhalte."….„Schon in aller Frühe heftiger Artilleriekampf. Die eigene Infanterie greift mit Erfolg an. Infolge einer rückgängigen Bewegung bei der Landwehr rechts von uns entsteht eine Lücke in der Front. Um dort persönlich nachzusehen, reitet GM. FABINI mit seinem Stab; ich folge mit vier Reitern, wobei ich beinahe eins abkriege. Ich werde beauftragt, die Hälfte der Reserve heranzuholen, galoppiere also zurück und bringe alsbald eine Kompagnie nach vorne, die ich unterwegs noch durch etwa 30 Versprengte verstärken konnte. Kaum hatte ich die Kompagnie verlassen, schlagen um mich vier schwere Granaten ein und hüllen mich in eine Wolke von Qualm und herabprasselnden Erdklumpen. Unsere Bosniaken, diese sonst so harten Krieger, hatten an diesem Tage eine schwache Stunde. Der zermürbende Kampf hatte ihre Standhaftigkeit gebrochen; sie bröckelten immer mehr ab, gingen zurück. Der Ordonnanzoffizier FABINIs und ich werfen uns ihnen mit der Pistole in der Hand entgegen, halten große Teile auf und treiben sie zurück in die Feuerlinie. Ein Stabsoffizier der Bosniaken - ich glaube es war der Regimentskommandant selbst -stellt radikal die Ordnung wieder her, indem er die gesammelten Abteilungen antreten und im Angesicht des Feindes exerzieren läßt. Diese drakonische Maßregel tat ihre Wirkung, brachte die Leute wieder zu ihrer Pflicht zurück. Bald darauf wurde ich abgelöst. Bei der Eskadron hatten sich auch die versprengten Reiter meines Zuges schon fast vollzählig eingefunden. Ein Dragoner war bei dem gestrigen Feuerüberfall verwundet, zwei Pferde waren getötet worden“.

 

Die Märsche der letzten Tage auf den grundlos gewordenen, durch die riesigen Trainkolonnen zerfahrenen Wegen stellten überaus hohe Anforderungen an die ohnehin sehr erschöpfte Infanterie und zeitigten unliebsame Erscheinungen. Überall gab es zahlreiche Nachzügler, die aus Müdigkeit, Hunger, oder auch nur aus Neigung, sich der Disziplin der Truppe zu entziehen, zurückgeblieben waren und nun einzeln oder in kleinen Gruppen gemächlich einher zogen und auf diese Weise leichter die Möglichkeit fanden, sich zu verpflegen, unterzukommen und auszuruhen. Häufig wurden sie durch die feindliche Kavallerie abgefangen, in vielen Fällen erwehrten sie sich aber auch kaltblütig und erfolgreich ihrer Verfolger."

 

Gorlice:Ich finde bald den Anschluß und verstärke meine Dragoner durch etwa 30 versprengte Infanteristen, die ich zwischen meine Leute in die Schwarmlinie einteile. Nach und nach flaut das Feuer ab und es tritt Stille ein. Da - auf einmal - wir trauen unseren Ohren nicht- schallen aus der Stadt die wohlbekannten Klänge eines österreichischen Militärmarsches zu uns herüber. Sollten die Unsrigen schon in Gorlice sein? (Wie man später erfuhr, war es eine gefangene tschechische Regimentsmusik, die -den Russen zur Begrüßung einen Marsch aufspielte.) Trotz dem nasskalten Wetter und dem Flankenfeuer, das wir zeitweise von rechts bekommen, habe ich alle Mühe, meine Leute wach zu erhalten. Ein Geschoß- ich habe wieder einmal Glück- trifft das Griffstück meines Karabiners. Bei Morgengrauen wird es links von uns lebendig; die Bosniaken gehen zum Angriff vor. Natürlich schließe ich mich an, sehe mich jedoch bald mit meinen Dragonern allein, da die nachts aufgelesenen Infanteristen die Gelegenheit benutzten, um zu verschwinden. Die Bosniaken gehen wie immer sehr schneidig vor. Wir Dragoner neben ihnen gelangen bis in die Nähe des Friedhofes von Gorlice. Als gegen Mittag der Angriff zum Stehen kommt und wir infolge Schließung der Front überflüssig geworden sind, auch unsre Munition zu Ende geht, rücke ich zur Eskadron ins Tal ein."

 

Einer Anfang Oktober 1915 ergangenen Aufforderung zufolge meldete sich Lt. Freiherr v. WIMMERSPERG freiwillig zur Gruppe Obstlt. PAPP, die in der Bukowina kämpfte. Er übernahm dort die Führung einer Kompagnie des Freiwilligen Huzulen-Bataillons. Im Jahre 1916 rückte Lt. Freiherr v. WIMMERSPERG wieder zum Regiment ein. 1916 wurde Lt. WIMMERSPERG zum Oberleutnant außer der Rangtour befördert und in den Maschinengewehrkurs nach Bruck a. d. Leitha einberufen und wurde dann daher 1918 Kommandant der neu aufgestellten 1. MG-Schwadron. Anfang April 1916 wurde er von der 6. zur 5. Eskadron übersetzt. Er war der best-dekorierteste Subalternoffizier der II. Division DR 5 und wurde daher am 27. Juli 1916 als Ordonnanzoffizier des Korps HOFMANN bei einer Inspektion durch Erzherzog KARL in Bialokierniowa eingeteilt. 1917 wurde er als Propaganda-Offizier zur Beeinflussung des russischen Heeres im Sinne einer baldigen Beendigung des Krieges eingeteilt. Auch war er ein sogenannter „Erkundungsoffizier": „Von jedem Regiment war ein besonders geschickter junger Offizier ausschließlich mit der Aufgabe betraut, den gegenüberliegenden Abschnitt der feindlichen Stellung scharf zu beobachten, die Einzelheiten der feindlichen Befestigungen und der Besetzung festzustellen und alle Vorgänge drüben, besonders auch die Artillerietätigkeit genau zu verzeichnen. WIMMERSPERG begnügte sich jedoch nicht mit der bloßen Beobachtung aus der Ferne, sondern unternahm mit seinen Gehilfen des Öfteren nachts verwegene Streifzüge bis dicht an die russische Hauptstellung heran und konnte auf diese Weise nach und nach ein ganz zuverlässiges Bild der Verhältnisse beim Gegner festlegen. Er wurde später für seine sehr ersprießliche Tätigkeit in dieser Verwendung mit dem Militärverdienstkreuz III. Klasse belohnt“.

 

1918, als Kommandant der MG-Schwadron: „Oblt. Baron WIMMERSPERG gelang es, durch nächtliche Beutezüge aus den Vorräten am Bahnhof von Lanowcy ca. 30 Maschinengewehre und automatische Gewehre verschiedener Systeme -samt zugehöriger Munition herbeizuschaffen. Davon bekamen die beiden MG -Schwadronen zu ihren 8 MG noch je 4 MG (System Schwarzlose) und hatten nun je Zug 3 MG. 1. - 6. und 8. Schwadron hatten mit je 2 russischen MG, System Maxim, die 4 Züge zu bewaffnen (die 7. Schwadron hatte seit dem Winter einen Hand-MG-Zug zu 4 Hand-MG.). Die technische Schwadron erhielt zwei leichte Hotchkiss-MG, die restlichen MG und eine Anzahl von Bestandteilen blieben bei den MG-Schwadronen als Reserve. Es wurde bei den MG-Schwadronen mit der turnusweisen Ausbildung von Bedienungsmannschaft begonnen, sodaß dank dem Eifer aller Beteiligten die neuen MG-Züge schon im August verwendungsbereit waren und so die Feuerkraft des Regiments ganz wesentlich erhöht wurde“.

 

Oblt. WIMMERSPERG führte Oktober/November 1918 die 3. Staffel des Regiments auf der Rückreise von der Front in die „Heimat“: „Am 28. in Podwoloczyska mußte nachts bei strömenden Regen aus einen österreichischen Zug umgeladen werden, was der Mannschaft wenig behagte. Ein Teil der Leute betrank sich in der Kantine und randalierte, was WIMMERSPERG zu scharfem Eingreifen nötigte. Am Morgen redete er der Mannschaft eindringlich ins Gewissen, so daß dann die weitere Arbeit klaglos vor sich ging. Auf der Weiterfahrt durch Ostgalizien gab es keinen Anstand…. Eben wurde ein Bierwagen geplündert. Die Dragoner wollten sich die gute Gelegenheit nicht entgehen lassen und machten mit den Plünderern gemeinsame Sache. Doch auch diesmal gelang es WIMMERSPERGs sehr energischem Dazwischenfahren, die Leute wieder zur Vernunft zu bringen….. Am Nachmittag Ankunft in Debreczen. Hier herrschte am Bahnhof vollste Anarchie; besoffene Heimkehrer trieben in der widerwärtigsten Weise ihr Unwesen, so daß die Dragoner, von diesem Schauspiel angeekelt, sich unaufgefordert einigen solchen Radaubrüdern entgegenstellten, die auch unseren Offizieren die Abzeichen herunterreißen wollten. Man atmete auf, als der Zug diese Stätte wildester Entartung des Soldatentums hinter sich hatte. WIMMERSPERG und Lt. MACHANEK benützten die Aufenthalte in den folgenden Stationen, um durch Ansprachen den Geist der Mannschaft aufzurichten, was seinen Eindruck nicht verfehlte. Doch war der Zustand immerhin bedenklich, denn die Unteroffiziere, die sich ihrer Leute nicht mehr sicher fühlten, hatten sich in einen Waggon zusammengesetzt und ihre Chargenabzeichen abgelegt; die Dragoner waren somit ganz sich selbst überlassen. Während des Stillstandes in einer kleinen Station machte sich der Lokomotivführer mit seiner Maschine aus dem Staube und ließ den Zug einfach stehen. Einige Dragoner gingen nun in den nahen Ort, kamen betrunken zurück und versuchten, in den Offizierswagen einzudringen....In Anbetracht dieser disziplinären Zustände und da aus allem, was man erfuhr, die traurige Tatsache hervorging, daß die k. u. k. Armee aufgehört hatte zu bestehen, beschloß WIMMERSPERG, den Transport nach Marburg zu führen und dort abzurüsten. Nachmittag traf ein ung. Oberst mit seinem Adjutanten ein und forderte die Abgabe der Waffen, widrigenfalls die Weiterfahrt verhindert und die Entwaffnung durch ung. Truppen erzwungen werden würde….Unter dem Druck der Umstände mußte man sich nach längerem Verhandeln zu einem Vertrag herbeilassen, wonach die Waffen, mit Ausnahme der Seitenwaffen, Pistolen und einiger Karabiner, ausgefolgt wurden, wogegen alles andere Eigentum des Regiments verbleiben und mit dem ganzen Transport raschestens an die steirische Grenze befördert werden sollte. Unsere Leute zeigten sich anfangs empört über das Ansinnen, die Waffen abzuliefern, fügten sich jedoch schließlich in das Unabänderliche. WIMMERSPERGs ernste Worte, womit er ihnen die Lage auseinandersetzte sowie die Auflösung von Armee und Monarchie feststellte und die in einen wehmütigen Nachruf für unser altes Regiment ausklangen, hatten die Leute so ergriffen, daß Korpl. BATTIG, ein Görzer, spontan vortrat und seine Mütze schwenkend, ausrief: „Dragoner, ein Hoch unseren Offizieren!" Alle stimmten stürmisch ein. Eine Abordnung der Mannschaft bat WIMMERSPERG, auch weiterhin das Kommando beibehalten zu wollen. Nun war bald auch wieder eine Maschine zur Stelle, die Fahrt konnte fortgesetzt werden….In Bekes Csaba wurden von den Ungarn neuerdings Schwierigkeiten gemacht. Trotz dem klaren Wortlaut des schriftlichen Vertrages und trotz aller Einsprache bestanden sie darauf, daß die Pferde, ein großer Teil des Schlachtviehs und der Verpflegsvorräte zurückgelassen werden mußten. Um nicht etwa auch noch das vorhandene ärarische Geld in die Hände der begehrlichen Ungarn fallen zu lassen, verfügte WIMMERSPERG dessen Verteilung gleichmäßig auf die Leute der bei den Schwadronen. In Szolnok erlangte man Kenntnis, daß die Jugoslaven Marburg in Besitz genommen hatten. Infolgedessen wurde der Transport in einen deutschen und einen slovenischen Teil geschieden. Die Deutschen drängten sich in einen schon gestopft vollen Personenzug nach Budapest, während die Slovenen in dem bisherigen Zuge blieben, um durch Oblt. KRISPER nach Laibach geleitet zu werden. Der Abschied der Slovenien ließ noch einmal die rührende Anhänglichkeit unserer Dragoner aufscheinen. WIMMERSPERG mit den Seinen erreichte abends Budapest. Nach mehrstündigem Warten erfolgte die Weiterreise, abermals in einem schauerlich überfüllten Zug, nach Györ, wo beim Umsteigen wieder allerlei durch Diebstahl in Verlust geriet. Am 4. November, nach 15tägiger Reise, endlich Ankunft in Wien“.

 

Verwundet 1916

Militärverdienstkreuz III. Klasse

Silberne Militärverdienstmedaille

Silberne Tapferkeitsmedaille 2. Klasse

 

Im II. Weltkrieg war Tassilo WIMMERSPERG Offizier in der 18. Armee (Einmarsch in Paris) und vermutlich bei der 1. Kavallerie-Division.