Adalbert Ritter von LEUZENDORF (LEUTZENDORFF), Rittm - Obstlt, geb.: 25-02-1871, verst.: 26-01-1926, Graz, Herzversagen, war lange Zeit während des Weltkrieges der Kommandant der Ersatz-Eskadron des DR 5 in Marburg.

Sein umfangreicher Nachlass (ca. 300 Briefe der Offizierskameraden von der Front, sowie u.a. Ausbildungsunterlagen) ermöglicht einen ausgezeichneten Einblick in die Aufgaben der Ersatz-Eskadron: Rekrutierung, Ausbildung, Personal- und Pferdemanagement sowie Versorgung der Eskadronen im Feld mit Grundausstattungsgüter, und vor allem, in den Zeitgeist von damals.

 

Foto 1: Adalbert als Rittmeister, 1913, Ausschnitt aus Offiziersgruppenbild, Nachlass Otto v. URBAN

 

Vater: Friedrich Ritter von LEUZENDORF. Großvater: Ludwig von LEUZENDORF.

Mutter: Phillipine, geborene LANNA.

Geschwister: Egon und Margarethe (Rita).

Adalbert war ein Groß-Cousin von Otto GARIBOLDI und zeitweise sein Kommandant.

 

Erste Gattin :

Elisabeth FLINDT , Tochter des Oberst Alexander FLINDT, (18. Inf Rgt), 06-05-1896 Heirat, nach 1900 Scheidung. Zwecks Scheidung wurde Adalbert ungarischer Staatsbürger und Protestant und wechselte später wieder zurück (-dies war damals, sofern man sich die Notariatskosten leisten konnte, eine übliche Methode, um wieder heiraten zu können).

Aus dieser Beziehung:

Sohn Adalbert, der auch im DR 5 als Fähnrich und Leutnant 1917/18 gedient hatte (Heirat 01-06-1928 mit Margit Nagy v. Töbör- Ethe, 1934 Speditions-Verwaltungsrat, gestorben in Leipzig 1939 an Herzversagen, nachdem er wieder als Wehrmachtsoffizier aktiv gestellt war).

 

Zweite Gattin:

Elisabeth (Byetta) von DILLER, Tochter des Generalmajors Erich v. DILLER;

geb. 1885, verst.: 10-09-1944, Bombenangriff in Wien;

Töchter: Christine, verst.: 1917 (Ruhr oder spanische Grippe); Marie Elisabeth (Marilies), geb.: 1921, Prinzessin von und zu Lichtenstein, verst.: 10-09-1944 beim Bombenangriff zusammen mit der Mutter;

Sohn: Friedrich; geb.: 18-04-1919, Marburg; diente vor (1. Bundesheer) und während des WK II im KavRgt 11, Stockerau. Im Krieg war er Kdt einer Radfahrerschwadron. Verwundung. Nach dem Krieg Agraringenieur und Gutsverwalter.

 

Militärische Karriere:

18. August 1891 als aktiver Kadett-Offizierstellvertreter zum DR 1 (Theresienstadt, Leitmeritz, Böhmen) ausgemustert, am 01-11-1892 zum Leutnant befördert.

1. Juli 1907 bis 30. Juni 1903 Reitlehrerinstitut Wien.

30. Juni 1903 bis 31. Juli 1906 Stanislau, Galizien.

Beförderung zum Rittmeister: 01-05-1905.

31. Juli 1906 bis 1. März 1919 Brünn.

 

Foto 2: Adalbert als Leutnant beim DR 1.

 

Transferierung zum DR 5: 01-03-1910,

Kdt der 1. Eskadron (Görz) bis 1913, hernach beim Ersatzkader in Marburg, Einrückung ins Feld am 15. Oktober 1914, Übernahme des Kdos der 1. Eskadron.

 

"Infolge der erlittenen Strapazen in den Karpatenkämpfen musste Rittm. Leutzendorf krankheitshalber am 22. Dezember 1914 ins Hinterland, konnte sich von demselben nicht mehr ganz erholen und wurde deshalb in Jahre 1916 krankheitshalber pensioniert. Auf Kriegsdauer reaktiviert, nur für Hinterlandsdienste geeignet, versah derselbe, bis zum Zusammenbruche der Monarchie den Dienst beim Ersatzkader des DR 5 in Marburg und trat dann endgültig in den Ruhestand." (Camillo Bregant)

 

Nach dem Tod seines Schwiegervaters kämpft Adalbert um den Erbanteil seiner Frau in der Familie Diller in der Tschechischen Republik (Herrschaft Branek/Branky).

 

Nach dem Krieg bis zu seinem frühen Tod fand Adalbert seine  Arbeit in der Grazer Maschinen- und Waggonbau AG.

 

Rittmeister LEUZENDORF verblieb bei der Verlegung nach Galizien zum Beginn des Krieges noch zurück bei der Ersatz-Eskadron in Marburg.

 

Foto 3: 14-10-1914; Abfahrt zur Front.

 

"Erst am 22. Oktober traf aus Marburg Rittm. Adalbert Ritter v. LEUZENDORF mit einem Ergänzungstransport von 101 Reitern, darunter 5 Reserve­-Offiziersaspiranten, ein. LEUZENDORF übernahm das Kommando der 1. Eskadron, die Reiter wurden auf alle Eskadronen aufgeteilt".

 

Wie aus zahlreichen Dokumenten und Briefen hervorgehend, spielte Adalbert in der Ersatz-Eskadron in Marburg trotz seiner krankheitsbedingten Felduntauglichkeit eine wesentliche und anerkannte Rolle zur Unterstützung des DR 5 im Felde. Davon zeugen u.a. auch etliche Briefe einfacher Dragoner, welche ihm aus dem Schützengraben mit Bitten und Wünschen geschrieben haben.

Wie sein Nachlass zeigt, war er ein akribischer Verwalter von Material und Personal, aber das kriegsbedingte Chaos brachte auch Beschwerden und Vorwürfe mit sich. Ein typisches Problem war das Management von zurückgesandten maroden Pferden, welche Privatbesitz von Offizieren waren, womit das Auseinanderhalten von Ansprüchen, je nach dem Schicksal des jeweiligen Pferdes, nicht einfach war (Ersatz, Verkauf, Wiedereinteilung...), zumal diese Offizierspferde qualitativ vor dem Kriege (Rennen, Springbewerbe) höher und damit teurer waren, als ein stattdessen gegebenes dienstliches Ersatzpferd.

 

Militärverdienstkreuz 3. Klasse,

Ritterkreuz des Franz Josephs-Ordens

 

Galerie unten:

1. Rittmeister LEUZENDORF, bei Verabschiedung eines Ersatz-Kontingents in Marburg, nach Winter 1915 (feldgraue Uniformen), Nachlass TAX-SZILVAY, selbiges Foto auch in seinem Nachlass.

2. Adalbert als Oberstleutnant, Rückseite beschriftet, eindeutig identifiziert, verm. Sommer 1918, Marburg, Nachlass Otto v. URBAN.

3 - 5: Artikelausschnitte aus der "Arbeiter-Zeitung" vom 22-12-1929 (also nach seinem Ableben!), Seite 17, zum Anlass des Protestes gegen die Wiedereinführung der Melodie des "Kaiserliedes" als neue Hymne der 2. Republik, in welchem Vorfälle aus dem Jahr 1916 (Eingabe 30-04-1916) über angebliche Schikanen unter dem Kommando von Major LEUZENDORF in der Ersatz-Eskadron zitiert werden "(Halten Sie die Goschen, Sie sind ein großes Mistvieh"...)

6/7: Adalbert beim Regimentsreiten in Marburg 1912.