Der bislang am besten Dokumentierte unter den „jüngeren“ Offizieren (Wikipedia, siehe dort auch Fotos) ist Camillo BREGANT, während des 1. Weltkriegs: 4. Eskadron, Rittmeister – Major (*24 07 1879, Triest Küstenland, †21 02 1956, Herzinfarkt im Autobus von Leibnitz nach Sunko, Gemeinde Glanz).

 

Foto: Als Oberleutnant, Ausschnitt aus Offiziersgruppenbild, vor Sommer 1914, Quelle: Nachlass Otto URBAN

 

Ein Foto der Familie ist bei der Eintragung über seinen Bruder zu sehen. Über Wikipedia hinaus hat sein Enkelsohn auf axishistory.com weitere Informationen veröffentlicht. Sein Vater war Finanzstadtrat zu Triest (Vorname und Daten dzt. nicht erfasst). Mutter: Marianne LEWOHL, Nachfahrin von Freiherrn Martin TEIMER zu WILDTAU (14 08 1778 – 27 09 1838).

 

Geschwister: Der ältere Bruder Eugen war im 1. Weltkrieg Kommandant einer MG-Abteilung und danach Kommandant eines Infanterieregimentes. Sein jüngerer Bruder war Franz (05 10 1887 – 28 09 1959). Der im Buch 1x (1914) erwähnte Wachtmeister Franz BREGANT, 2. Eskadron, war wohl dieser jüngere Bruder, der offenbar erst danach in die österr. Kriegsmarine eintrat, 1918 war er Linienschiffsleutnant. Er wanderte dann in die USA aus. Sein Grab ist wohl jenes in Mount Olivet Cemetery, Milwaukee County Wisconsin, USA. Schwestern: Ada und Theresinka.

Im Sommer 1914 lernte Camillo anlässlich eines Manövers (siehe kleines Foto dieser Webseite links oberhalb der Rubrik) bei einer Einquartierung in Smogoszyl südlich des Plattensees Ludwig Ritter von FAUTZ (Gutsverwalter des Grafen HUNNADY) und dessen älteste Tochter Katalin kennen. Sie heirateten am 22 08 1917 und wohnten in Marburg. Ehefrau Katalin geb. Edle Reichsfrau v. FAUTZ war im 1. Weltkrieg als Rotkreuzhelferin in Galizien und in der Bukowina. Nach dem 2. Weltkrieg engagierte sie sich beim Roten Kreuz Steiermark. In dieser Tätigkeit stieg sie zur Vizepräsidentin auf und wurde Ehrenpräsidentin des österreichischen Roten Kreuzes. Am 1. Juli 1991 verstarb sie im 98. Lebensjahr. Katalin war Großnichte des Vizeadmirals Ludwig Reichsritter von FAUTZ – einer der ersten österreichischen Linienschiffskapitäne, die ein dampfbetriebenes Schlachtschiff befehligten.

 

Camillos Söhne:

Sohn Alfred (geb.: 31 05 1918 in Marburg) war Flieger in der deutschen Wehrmacht und wurde als Pilot (Leutnant) einer Ju-88 1941 über Holland abgeschossen und mit seiner Besatzung auf dem Heldenfriedhof in Köln-Süd begraben. Sohn Ernst Friedrich trat in die deutsche Kriegsmarine ein und war bei Kriegsende Oberleutnant eines U-Bootes (VIIc) in Wilhelmshaven. Nach dem Krieg studierte er Rechts und Staatswissenschaften und war bis zu seiner Pensionierung 1980 in der österreichischen verstaatlichten Industrie tätig.

 

Camillos Militärische Laufbahn:

Er absolvierte die Kadettenschule in Marburg bis 18. August 1899 und kam vorerst zur Infanterie, trat aber bald zum DR 5 über, da er offenbar ein begnadeter Reiter war. Camillo war vor dem Krieg in den Jahren 1904-1906 auch Ausbilder am Reitlehrinstitut in Wien und besuchte 1911 die Korpsoffiziersschule in Wien. Er gehörte zu den erfolgreichsten Rennreitern der Monarchie zwischen 1898 und 1914. Camillo wurde Sommer 1914  Rittmeister in der 4. Eskadron und war ab 23 09 1914 auch schon als Kommandant dieser Eskadron eingeteilt.

 

Camillos Laufbahn im 1. Bundesheer:

Major 01 11 1918, Oberstleutnant 01 01 1921, Oberst 26 05 1930, Generalmajor 30 09 1932

Zuerst beim Brigadekommando 5 (01 11 1920) eingeteilt, dann Kdt der Schwadron Nr. 5 (01 11 1922), Kasernenkommandant Reiterkaserne in Graz, Kavallerie-Inspektor (01 06 1929); Ruhestand 1934 wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ (Ständestaat), da „notorisch kaisertreu“ bzw. als „z.b.V.“-Generalmajor sowohl gegen Ende der 1. Republik Österreich als auch im Deutschen Reich geführt. Nach der Pensionierung war Camillo Weingutsbesitzer in der Südsteiermark. Im „Verband der Offiziere des ehemaligen 5. Dragoner Regimentes“ (gegründet am 16. Oktober 1921, „gerade 200 Jahre nach Errichtung des Regimentes“) war er ab 18. Oktober 1936 Präsident als Nachfolger des verstorbenen Hieronymus Freiherr von AIROLDI (63 Nennungen im Buch).

 

Camillo war einer der Ersten des DR 5 mit (russischer) „Feindberührung“: „Am 23. August 1914 waren auf Befehl des Divisionärs zum ersten Mal weitgehende Nachrichtenpatrouillen gegen den Feind abgeritten; und zwar eine unter Rittm. BREGANT am Morgen von Borynicze aus, die beiden anderen unter Oblt IN DER MAUR und Lt. Gf. PACE am späten Abend von Ernsdorf aus. Um 8 Uhr vormittags erreichte BREGANT Zloczow. Nach den Aussagen von Flüchtlingen sei der Feind gestern (23.) in Brody, Zalozce und Tarnopol eingerückt“… „Da die Patrouille dringend der Ruhe bedurfte - sie hatte in 39 Stunden 170 km zurückgelegt-, wurde einquartiert“.

 

Ein Monat später, am 27. September war die Situation weit schlechter - Rückzug: „Obwohl die letzten geschlossenen Abteilungen schon vor zwei Tagen hier durchgezogen waren, kamen noch immer zahlreiche Nachzügler vorüber. Ich sammelte sie, ließ sie aus der Fahrküche verköstigen, ausruhen, und wenn 100 beisammen waren, bestimmte ich einen Unteroffizier aus ihrer Mitte als Kommandanten, der sie geschlossen nach Gorlice zu führen hatte. Bis 2 Uhr nachmittags waren drei solche Abteilungen abgefertigt. Bis zum Abend waren wieder 160 Mann beisammen, die über Nacht zurückbehalten und zur Sicherung verwendet wurden."

 

Am 14 12 1914, ein typisches Beispiel für die Reiterleidenschaft Camillos: ,,Ich ritt meinen Vollblütler „Viribus unitis", Sieger in 27 Rennen. Es war im Felde für mich ein unbeschreiblich kostbares Gefühl zu wissen, daß ich auf dem schnellsten Pferde des ganzen Kriegsschauplatzes saß. Gegen Geschosse ist natürlich niemand gefeit, aber ich hatte die sichere Gewähr, daß selbst eine ganze Eskadron nicht imstande gewesen wäre, mich einzufangen." -  „Zur Feier des Geburtstages des Kaisers fand am 18. August (1915) nördlich Gluszkow eine Paradeausrückung mit Feldmesse statt. Im I. Treffen stand das IR 17, im II. das Dragonerregiment 5. Es folgte ein Vorbeimarsch vor dem Korpskommandanten, der dem prächtigen Aussehen der Truppen höchstes Lob zollte. Nachmittags wurde ein Regimentsrennen abgehalten, vier Steeplechasen umfassend, dessen Veranstaltung Rittm. BREGANT, der armeebekannte Herrenreiter, übernommen hatte“.

 

Sommer 1915: „…genau ein Jahr nach dem Aufbruch aus dem Aufmarschraum - marschierten die zum Abtransport bestimmten Teile des Regiments bei sehr günstigem Marschwetter nach Snyatyn, der Verladestation. Unterwegs hatte Rittm. BREGANT die unverhoffte Freude, sein verschollenes Chargenpferd „Igor" zufällig wiederzufinden. Er hatte dieses Pferd, einen vorzüglichen Springer, vor Jahresfrist an ein Pferdespital abgegeben und trotz eifrigen Nachforschungen seither nicht mehr zurückerhalten können. Das Pferd war unerkannt zur Ersatzeskadron und dann mit einem Ergänzungstransport zu einer anderen Feldeskadron gelangt“.

 

Im September 1915: „Rittm. BREGANT erlebte bei einem Ausflug nach Triest ein unangenehmes Abenteuer, das ihm leicht hätte das Leben kosten können. In der stockfinstern Nacht - Triest war der Fliegergefahr wegen vollkommen verdunkelt - stürzte er in einen tiefen Kanal mit hohen Ufermauern, aus dem er sich nicht herauszuarbeiten vermochte. Ein zufällig vorüberkommender Mann holte Hilfe aus dem nahen Gasthause, und so gelang es, mit zusammengebundenen Tischtüchern den schon fast Erschöpften zu retten“.

 

Oktober 1915, ein interessanter Bericht über einen russischen Kavallerie-Angriff gegen deutsche Infanterie: „Dabei wurden vier russische Reiter aufgegriffen, die ganz verstört über eine Attacke berichteten, die drei ihrer Eskadronen kurz vorher in der Dunkelheit gegen die Deutschen geritten hatten. Sie waren fürchterlich zusammengeschossen worden“. Rittm. BREGANT, der am nächsten Morgen das Attacke-Feld besichtigte, berichtete: „Es bot sich mir ein so erschütterndes Bild, wie ich es während des ganzen mörderischen Krieges noch nicht erblickt hatte. Auf einem Fleck von vier bis fünf Joch lagen dicht beieinander etwa 180 Pferde und Reiterin ihrem Blute, darunter sieben Offiziere."

 

Im Februar 1916 wurde der Austausch von Offizieren zwischen den Verbündeten üblich: „Um den Einklang und das Zusammenwirken der Verbündeten noch inniger zu gestalten, ward die Einführung getroffen, daß wechselseitig Unterabteilungskommandanten zu einem Truppenkörper der gleichen Waffe auf zwei bis drei Monate kommandiert wurden. Vom Regiment traf diese Verwendung zunächst den Rittm. BREGANT, der zu der unweit im nördlichen Nachbarabschnitt eingesetzten deutschen Leibhusarenbrigade abging, von wo dann Oblt. v. BÜLOW als Ersatz kam.“ Camillo berichtet auch über die Herausforderung, innerhalb eines Tages die deutschen Exerziervorschriften lernen zu müssen. Oblt. v. BÜLOW rückte Anfang Juli 1916 wieder zu seinem Regiment ein und Rittm. BREGANT „ging krank ins Hinterland ab“.

 

Aussage über den Zerfall der Armee, 1. November 1918: „Mit Rücksicht auf diese Stimmung der Mannschaft befahl das Divisionskommando die Zusammenziehung des Regiments. Das der Division unterstellte Sturmbataillon 59 war zum Teil auseinandergelaufen. Der Divisionsstab, bereits Plünderungen ausgesetzt, hatte Fehertemplom verlassen. Einen schweren Stand hatte auch Rittm. BREGANT mit seiner Reiterschwadron, deren Mehrheit Polen und Ruthenen bildeten, die gleich den Leuten der Batterie nicht mehr mittun wollten; zahlreiche waren schon durchgegangen“.

 

Auszeichnungen im WK und im 1. Bundesheer:

MVK 2. u. 3.Klassse, Silber und Bronze mit KD. und Schw., KTK.,

Militärjubiläumskreuz (1908),

Bronzene MVM am Bande des MVK mit Schwertern,

Silberne MVM am Bande des MVK mit Schwertern,

MVK 3. Kl. mit KD u. Schwertern (26.01.1915),

Verwundetenmedaille ohne Mittelstreifen,

Karl Truppenkreuz,

Ehrenmedaille des Weltkrieges 1914-1918 mit Schwertern.

Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich,

Militärdienstzeichen der Republik Österreich für Offiziere 2. Kl. (für 25 Dienstjahre),

Ehrenkreuz des Weltkrieges 1914-1918 mit Schwertern,

Verwundeten-Abzeichen in Schwarz.

 

Fotos unten:

1. Camillo als noch jüngerer Oberleutnant, verm. etwa 1912, Ausschnitt aus Offiziersgruppenbild, Nachlass GARIBOLDI (SI_PAM)

2. Camillo als Leutnant, rechts außen im Bild sitzend, in Reithose, ca. 1905, Nachlass GARIBOLDI (SI_PAM)