Georg Graf von WALDBURG-ZEIL LUSTENAU-HOHENEMS, geb.: 7 Jänner 1878, Hohenems, Vorarlberg, gest.: 26 Oktober 1955 in Syrgenstein, Bayern.

 

Eltern: Graf Clemens Maximilian von WALDBURG und HOHENEMS und Clementine von OETTINGEN-OETTINGEN.

Verheiratet mit Gräfin Elisabeth Françoise geb. (1862 – 1930), Tochter von Franz Salvator HABSBURG-LOTHRINGEN und Erzherzogin Marie Valérie, Tochter des Kaisers von Österreich und König von Ungarn Franz Joseph I. und Kaiserin Elizabeth (Sissi). Kinder: Marie Valérie (1913-), Clémentine Marie (1914-1941), Elisabeth Hedwig (1917 – 1979), und François Joseph (1927-).

Witwer in 1930, Graf Georg von WALDBURG heiratete im folgenden Jahr seine Schwägerin Gertrud, Erzherzogin von ÖSTERREICH-TOSKANA.

Bruder: Maximilian Wunibald von WALDBURG ZU ZEIL und HOHENEMS

 

Bild 1, oben: Georg und Elisabeth ("Ella") 1912, Quelle: Franz Clemens Waldburg-Zeil

 

Georg wurde im Buch 52x erwähnt.

Er trug zur Erstellung mit einem sehr beachtens- und lesenswerten Dokument bei, welches Bestandteil des Marburger Archivs ist.

Er selbst schrieb: "Mit diesen Aufzeichnungen bezwecke ich nichts weiter als meinen lieben Kindern, deren Lebensbeginn mit dem Beginn des Weltkriegs zusammenfällt, eine Erinnerung an die große Zeit, welche ihre Eltern erlebten, zu hinterlassen und denke mir, dass sie später in reiferen Jahren, wenn ihr Vater bereits zur großen Armee abberufen wurde, gerne in diesen Blättern lesen werden".

Gemäß Familie Waldburg-Zeil waren Georgs Aufzeichnungen bisher nicht bekannt! Offenbar hatte GARIBOLDI nicht bloß eine Abschrift, sondern Georgs Original. Es ist beabsichtigt (das Einverständnis der Familie liegt vor), Georgs handgeschriebenes Manuskript nach Abschrift hier zu veröffentlichen.

 

Georg diente während seiner Leutnantsjahre beim DR 5, bei der Mobilmachung 1914 war es ein Jahr her, dass er wegen Beendigung seines Aktivdienstes das Regiment verlassen hatte. Er rückte unverzüglich wieder nach Marburg ein und wurde bei der Reserveeskadron (bei der 3. Marschbrigade) eingeteilt, welche am 24. August von Marburg abbefördert wurde und am 28. morgens in Lemberg eintraf. Nach langem Warten fuhr sie nach Mikolajow (südwestl. Kurowice) weiter. Hier wurde ausgeladen und Freilager bezogen. In Mikolajow befand sich zwar der Kommandant der Marschbrigade, aber ohne Truppen.

Rittm. WALDBURG schrieb: „Um die Mittagsstunde kam die Reserve­ Eskadron zum 6. ITD-Kmdo, das seinen Standort in einem Hause am Ostausgang von Grodek hatte. Viele Leichtverwundete kamen aus der Kampflinie an uns vorüber, wobei uns die vielen abgeschossenen Finger und Kopfverletzungen auffielen. Am Nachmittag überflog uns, erfolglos beschossen, ein russisches Flugzeug."

 

Bild 2: Nachstehend erwähntes Bild von Ludwig KOCH, in Postkartenform,

"Die Feuertaufe unseres Thronfolgers", allgemein erhältlich.

 

Rittm. Gf. WALDBURG schrieb weiters: „Wir hören, daß die Schlacht für uns günstig stehe und daß unsre Artillerie sehr gut wirke. Zu ihrer Verstärkung wurden Festungsgeschütze aus Przemysl herangezogen. Diese Ungetüme mit ihren riesigen Rädern sind zwar recht veraltet, doch sollen sie noch sehr treffsicher schießen. Eine große Anzahl von russischen Gefangenen wurde eingebracht; sie stammen von Regimentern aus dem Militärbezirk Odessa und Jekaterinoslaw."... „Wir stehen wie gestern in der Nähe unsres Truppendivisionsstabes an der Straße Grodek - Lemberg. Es trifft die Nachricht ein, daß das IV. Korps am rechten Armeeflügel große Erfolge errungen habe. Den ganzen Tag über heftiges Artilleriefeuer, das uns sehr belästigt und zur Änderung des Standpunktes zwingt. Gegen Mittag trifft das AOK, Erzh. FRIEDRICH mit großer Suite, der Chef des Generalstabs Conrad v. HÖTZENDORF, der Erzh. Thronfolger, mehrere deutsche Offiziere mit Autos ein. Das AOK bleibt etwa eine Stunde, läßt sich Bericht erstatten und beobachtet den Gang der Schlacht. Maler KOCH hat dies in einem Gemälde „Die Feuertaufe des Thronfolgers" festgehalten. Im Hintergrunde sieht man auch meine Eskadron. Zur Nacht beziehen wir dieselben Quartiere wie gestern. Am Hauptplatz von Grodek wurden mehrere Spione gehenkt, darunter auch der Bürgermeister der Stadt."

 

Rittm. Gf. WALDBURG (mit seiner Reserveeskadron bei der 6. ITD) berichtet weiter: „In der Nähe der Eskadron wurde ein Fesselballon hochgelassen, der natürlich das feindliche Artilleriefeuer bald auf sich zog, so daß die Eskadron einen weniger gefährdeten Platz aufsuchen mußte. Abends bezogen wir dieselben Quartiere wie an den vorangegangenen Tagen. Nachts vernehmen wir stundenlang das Gepolter zurückmarschierender Artillerie, was nichts Gutes ahnen läßt. Und richtig, werden wir um Mitternacht alarmiert."

 

Bild 3: Georg als Major, nach  August 1917

Quelle: Franz Clemens Waldburg-Zeil

 

Nach dem Eintreffen bei Premysl sollte die Reserveeskadron abgetrennt und der Festungsbesatzung einverleibt werden. Glücklicherweise wurde jedoch der Befehl widerrufen, so daß der  Eskadron das traurige Los der späteren Gefangennahme erspart blieb.

 

Am 22. November 1914 löste die Reserve-Eskadron die 6. Eskadron in Alsokomarnok ab. Am 23. wurde Rittm. Gf. WALDBURG mit 30 Reitern vom Divisions-Generalstabschef auf zwei Tage zu der rechts anschließenden 22. LITD entsendet, mit dem Auftrage; deren Stellungen genau festzustellen und über die Gefechtsvorgänge zu berichten.

WALDBURG schreibt über diese Tage: „Die wildromantische Hochgebirgsgegend bietet in ihrer winterlichen Hülle bei dem sonnigen Wetter einen zauberhaften Anblick. Es gibt hier große Magazine für Lebensmittel, Munition usw. Alles wird mit Tragtieren heraufgebracht und ebenso weitergeleitet. Dieser Verkehr vollzieht sich ununterbrochen Tag und Nacht. Dazu kommen fortwährend Verwundete oder Halberfrorene, die sich oft meilenweit schleppen müssen, bis sie einen erwärmten Raum finden, wo ihnen der Verband gewechselt werden kann. Da lernt man den ganzen Jammer eines Winterfeldzuges im Gebirge kennen. Unser Angriff schreitet langsam vorwärts, so daß wir hoffen können, bald aus dem Gebirge herauszukommen, womit das Ärgste überstanden wäre."

 

GARIBOLDI schrieb dazu: „Wiederholt hatte WALDBURG russische Gefangene zu übernehmen, so auch in der Nacht zum 6. deren 160, die ein einziger Dragoner eskortierte. Die Gefangenen waren alle sehr gut angezogen und sahen auch wohlgenährt aus“.

 

Weiters: „WALDBURG, dessen Gemahlin eine Enkelin des alten Kaisers ist, war während seines Urlaubs von Sr. Majestät empfangen worden, wobei sich der Monarch über die Leistungen des Regiments vollkommen unterrichtet gezeigt und - wie er betonte - „diesem besonders guten Reiterregiment" sein vollstes Lob gespendet hatte.“

 

GARIBOLDI schrieb über den 1915/16er Einsatz (Hälfte des Rgt, II. Div, Reserve-Eskadron) an der serbischen Front: „In Novipazar traf am 22. der Stab des deutschen Alpenkorps ein, dem die 10. Gebirgsbrigade nun unterstellt wurde. Diese machte, von der Eskadron begleitet, am 23. und 24. einen Vorstoß nach Süd in das Ibartal und kehrte sodann nach Novipazar zurück. Nach dem Abzug des Alpenkorps trat sie in den Verband des k. u. k. VIII. Korps (Gdl. v. SCHEUCHENSTUEL). Die Eskadron blieb nun längere Zeit in Novipazar. Rittm. WALDBURG wurde als Stadtkommandant eingesetzt. Seine Dragoner waren im Verbindungsdienst verwendet und hatten täglich Massen von Gefangenen zurückzuführen.

 

Die Reserve-Eskadron wurde nun auf Befehl des AOK aufgelöst und der sehr geschwächten 6. Eskadron einverleibt. Rittm. Gf. WALDBURG, der kurz vorher mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet worden war, hatte zur Ersatzeskadron nach Marburg einzurücken

 

1917:

Als Obstlt. AIROLDI zum Kommandanten des UR 8 ernannt wurde, übernahm an seiner statt Rittm. Gf. WALDBURG die Führung des II. Halbregiments. Rittm. Gf. WALDBURG wurde dann weiters zum Inspizierenden aller Bahnwachen im Korpsbereich ernannt. Am 9. August 1917 erhielt der den Befehl, das DR 5 Detachement in Mariupol zu übernehmen. Wenig später wurde das Detachement WALDBURG aus Mariupol nach Jusowka zurückgenommen. Etwa zu diesem Zeitpunkt wurde Rittm. Gf. WALDBURG zum Major befördert (Bild oben). Ab 9. September (Obstlt. SALM reiste auf Urlaub ab) führte WALDBURG das Regiments-, GARIBOLDI das II. Halbregimentskommando.

 

1918:

Über die Erlebnisse der Rückreise des Regiments liegen nur Aufzeichnungen von Rittm. KRIEGHAMMER (1. und 2. Transportstaffel), Oblt. WIMMERSPERG (3. Staffel) und Rittm. WALDBURG (5. Staffel) vor.

 

GARIBOLDI schreibt (analog Dokument Georg W-Z): Am 30. Oktober traf die ominöse Drahtung des AOK ein, welche die Meinungsäußerung der Truppen über die gewünschte zukünftige Staatsform –Monarchie oder Republik - abverlangte. In richtiger Erkenntnis des zu gewärtigenden unheilvollen Eindrucks unterließ WALDBURG die Verlautbarung und sandte kurzerhand für seine Truppe ein Treuegelöbnis an das AOK“.

 

Das Ende:

„Die Slovenen, die nun immer dringender ihre Entlassung begehrten, erhielten die Erlaubnis, auf eigene Faust heimreisen zu dürfen. Mit dem Rest seiner Dragoner fuhr WALDBURG endlich am 19. November ab, und zwar über Sarny nach Powursk, wo WALDBURG die Weisung erhielt, den Transport aufzulösen und weiterhin Personenzüge zu benützen. Über Kowel – Lublin – Iwangorod – Kielce ­ Oderberg erreichte er in der Nacht zum 24. November Wien“.

 

Silberne Militärverdienstmedaille

Militärverdienstkreuz III. Klasse

Ritterkreuz des Franz Josephs-Ordens