Karl („Cary“) Borromäus Arthur Heinrich Richard Maria ZENONE, Conte (Graf) [von Castelceriolo], Oberleutnant – Oberstleutnant (Bundesheer 1. Republik, 1937 pensioniert), *05 05 1886 in Unterhaus 36, Villa Schlossberg bei Wildon, Steiermark, †21 12 1957, Wien, war der jüngere Sohn des Gutsbesitzers Carl Albert Johann Nepomuk Graf ZENONE (*09 11 1848 Iglau / Jihlava, †8 02 1912, Graz). Der Vater war der einzige Repräsentant der italienischen Familie in Österreich. Karls Mutter war Bertha Cecile, geb. OPPENHEIMER, (*18 07 1859 Manchester UK, †1939), Kaufmannstochter. Einige Zeit vor dem Tod des Vaters haben sich die Eltern getrennt und die Mutter heiratete dann als Witwe den berühmten Schweizer Forscher und Abenteurer Ernest GUGLIELMINETTI.

 

Foto/Quelle: Historisches Archiv der Marktgemeinde Wildon, Cary in Bundesheer-Uniform der 1. Republik als Oberstleutnant

 

Das Geschlecht ZENONE beginnt ihre Stammreihe in Piemont, Tortona. Die ZENONE waren mit der bedeutenden venezianischen Familie FATIER versippt und hatten im 19. Jhdt mehrere landwirtschaftliche Betriebe im Gebiet von Treviso.

Cary‘s älterer Bruder Cäsar (*07 12 1880, †04 05 1947, Graz, unverheiratet) leistete nach seiner Matura seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger auch im DR 5. 1906 wurde er zum Leutnant der Reserve ernannt. Cäsar entschloss sich für eine Verwaltungslaufbahn, studierte Rechtswissenschaften und wurde k. k. Statthalterei-Konzipist in Monfalcone und war zuletzt k. k. Bezirkskommissär bei der Statthalterei in Triest. Im Krieg diente er als Oberleutnant (01 05 1915) in einem Kriegslazarett in Cilli, später beim 5. Armeekommando.

Ihre Schwester war Irene Henriette Emma (*18 05 1884, verheiratet mit Hans Eduard KOZEL).

Cary wechselte nach dem Besuch der ersten vier Gymnasialklassen in die Kadettenanstalt von Mährisch-Weißkirchen, um Berufsoffizier zu werden, und wurde 1905 Kadett-Offiziersstellvertreter im DR 5 (1907 Leutnant, 1913 Oberleutnant, 1916 Rittmeister). „Carl war mit Leib und Seele Offizier und scheint wohl in manchem dem Idealbild wie auch dem Klischee des Draufgängers entsprochen zu haben. Bis an sein Lebensende war er als gewinnender und unterhaltender Gesellschafter geschätzt. Wenn Onkel Cary zu Besuch kam, ging es lustig her! So hat  ihn Einer seiner Verwandten charakterisiert. (Peter WIESFLECKER). - Und das, obwohl er 2 Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft war und später von der Gestapo verhaftet und überwacht wurde!

 

Anfang des Krieges war Karl Zugskommandant der 2. Eskadron (Heimatgarnison Ljubljana/Laibach). Er wird im Buch 31x genannt. Er leistete einen wesentlichen Beitrag (Primärquelle) zum Buch mit seiner Schilderung über seine Gefangenschaft in Russland, gezeichnet in Wien am 28 11 1938.

 

Außer seiner zahlreichen Einsätze im Jahr 1914 als Kommandant von Aufklärungs-Patrouillen sind folgende Fakten im Buch registriert:

Am 22. August 1915 wurde Conte ZENONE von der 2. zur 3. Eskadron versetzt.

Ende Jänner 1916 wurde Oblt. Conte ZENONE Kommandant der in Aufstellung begriffenen Schützen-Eskadron DR 5 (Infanterie-Anteil des DR 5).

1. Mai 1916: Oblt. ZENONE wurde zum Rittmeister befördert.

Am 14. Juni 1916 (Front bei Harasymow - Niezwiska, mit dem linken Flügel am Dnjestr) führte Rittmeister Conte ZENONE eine aus Husaren und Fünferdragonern zusammengesetzte Schützen-Eskadron. Rittm. ZENONE wurde leicht verletzt.

4. Juli 1916: Rittm. ZENONE konnte mit seiner Schützeneskadron (15er Husaren und 5er Dragoner) an diesem Tage einen glänzenden Erfolg verzeichnen. Im Verband der Schützendivision I/6 erstürmte er die Höhe Lysa gora westlich Puzniki und machte gegen 100 Gefangene. Die Verluste seiner Eskadron betrugen 5 Tote und 40 Verwundete, darunter Fähnr. MACHANEK, DR 5.

Am 24 Juli 1916 erhielt Rittm. Conte ZENONE, „der mit seiner Eskadron dem russischen Ansturm tapfer Widerstand leistete“, im Handgemenge einen Kopfschuss und geriet „mit einem Großteil seiner schon ganz umzingelten Scharin Gefangenschaft.

August 1918: Die Rittm. MESSERSCHMIDT und CONTE ZENONE waren aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt und zum Regiment eingerückt. ZENONE wurde (an Stelle des erkrankten LINKE) Kommandant der 8. Schwadron. Rittm. CONTE ZENONE und der ebenfalls heimgekehrte, nun beim DR 11 eingeteilte Rittm. Freih. v. PIELSTICKER wurden für ihr tapferes Verhalten in den Kämpfen 1916 mit dem Orden der Eisernen Krone III. Klasse ausgezeichnet.

Am 23. August 1918 führte ZENONE in Vertretung von GARIBOLDI (vierwöchiger Urlaub) das Kommando des II. Halbregiments.

Am 1. November 1918 erfolgte die Abfahrt des II. Halbregiments, und zwar in vier Zügen. In dem zweiten fuhren das Kommando, die 8. Schwadron (Rittm. ZENONE), die II. MG-Schwadron (Rittm. v. GRATZY) und der 2. IG-Zug.

 

Bericht über die russische Gefangenschaft (im Buch, die Primärquelle/ZENONE ist ausführlicher):

Rittm. Karl CONTE ZENONE war, wie früher erzählt, am 28. Juli 1916 verwundet in Gefangenschaft geraten. In mehreren Feldspitälern ausgeheilt, kam er Ende August in das Offiziersgefangenenlager nach Astrachan. Nach der russischen Revolution im März 1917, als die Verhältnisse im Lager immer unerträglicher wurden, unternahm er einen Fluchtversuch mit der Absicht, türkisches Gebiet zu erreichen. Nachdem er sich 14 Tage lang unter Tataren, Kalmüken herumgetrieben, auch in einem Arbeitslager deutscher Gefangener aufgehalten hatte, kam er zu der Überzeugung, daß ein Durchkommen in dieser Richtung ein Ding der Unmöglichkeit war, weil am Kaspischen Meer tschechische Legionäre den Weg versperrten, die jeden Deutschen und Österreicher aufknüpften, der in ihre Hände fiel. Er kehrte daher nach Astrachan zurück, wo mittlerweile ein von ihm dafür gewonnener Zugsführer seinen Platz im Offizierslager eingenommen hatte, so daß seine Flucht nicht bemerkt worden war. Juli 1917 wurden die Insassen des Lagers nach Jekaterinenburg im Ural abgeschoben. Nach einigen Tagen Fahrt auf der Wolga aufwärts wurden sie ausgeschifft, um die Reise mit der Bahn fortzusetzen. Die laxe Bewachung durch Kaukasier ließ bei unserm Rittmeister neuerdings den Entschluß zur Flucht reifen. Gemeinsam mit einem deutsch- russischen Soldaten wollte er den Weg nach Finnland nehmen. Als Russe verkleidet, fuhr er mit seinem Genossen auf dem Dache eines mit Soldaten überfüllten Zuges nach Moskau. Auf der Weiterfahrt nach Petersburg wurde ZENONE, da er keine Ausweispapiere besaß, als Spion verhaftet, in Petersburg eingekerkert, einige Wochen später nach Jekaterinenburg gebracht und in einer Kaserne der tschechischen Legion eingesperrt, wo es ihm elend erging. In der Folge erreichte er es durch Vermittlung eines russischen Offiziers, in das Offizierslager überstellt zu werden, wo er seine Schicksalsgenossen aus Astrachan wiederfand. Im Dezember wurde ZENONE mit einigen Kameraden in ein Gefängnis für politische Verbrecher nach Moskau gebracht. Durch Bestechung der Wachmannschaft und unter Mithilfe eines deutschen Pastors und eines jungen Mannes aus Riga gelang es ihm, mit gefälschten Ausweispapieren zum dritten Mal zu entweichen und in Begleitung des Letztgenannten in der Richtung gegen die deutsche Front bis Orscha zu fahren. Dort herrschte großes Durcheinander; tagelang zogen zurückgehende russische Truppen in großer Unordnung durch die Stadt, so daß eine Fortsetzung der Flucht zunächst nicht ratsam erschien. ZENONE quartierte sich in einem jüdischen Gasthof ein und wartete ab, bis sich endlich Ende Februar eine Gelegenheit ergab, bei Nacht und Nebel mit Schlitten die deutschen Truppen zu erreichen. Von dort reiste er dann über Wilna - Wladimir Wol. nach Marburg. Nach einem wohlverdienten Erholungsurlaub rückte er sodann wieder zum Regiment nach Jusowka ein und übernahm eine Schwadron. ZENONE, jetzt Oberstleutnant d. R., hat sich im Kriege die Bronzene und die Silberne Militärverdienstmedaille, das Militärverdienstkreuz und den Orden der Eisernen Krone III. Klasse erworben“.

 

"Verwundet 1916 zweimal, verwundet gefangen am 28. Juli 1916 bei Puzniki."

 

Oberstleutnant i. R. Karl ZENONE wurde am 07 03 1940 von der Gestapo Wien wegen „staatsfeindlicher Betätigung" erkennungs-dienstlich erfasst.

Quelle: Gestapo-Opfer (Katholisch-konservatives Lager). Das Foto zeigt ihn also im Alter von 54 Jahren.

 

Quellen:

>Peter WIESFLECKER, 2011 C 178 Piemont, Wien, Wildon. Aus der Geschichte der Familie Zenone. In: Hengist-Magazin. Zeitschrift für Archäologie, Geschichte und Kultur der Mittelsteiermark (3/2011), 14–25. <

>Constantin DICHTEL – Zur Geschichte der Conti bzw. Grafen Zenone von Castelceriolo<

 

Für einen weiteren, sehr interessanten Aspekt darf auf folgenden Link verwiesen werden:

http://karl-zenone.blogspot.co.at/

Wie dort zu lesen, entstand in Kooperation eine genealogische Forschung, deren Resultat der höchstwahrscheinliche Nachweis ist, dass Karl Zenone eine uneheliche Tochter hatte. Nach der Flucht aus der Kriegsgefangenschaft wollte Karl ihre Mutter heiraten. Jene hatte aber angenommen, dass Karl gefallen sei und hatte sich mittlerweile bereits verehelicht. 

 

Fotos unten:

1. Karl als Oberleutnant 1913, Ausschnitt aus Offiziersgruppenbild, Nachlass Otto URBAN

2. Karl, ca. 1916, offenbar in der Kaserne Marburg vor Rückkehr an die Ostfront mit Soldaten eines Ersatz-Kontingents, Ausschnitt, Nachlass Tax-Szilvay

3. Vergrößerter Ausschnitt von Foto 2

4. Karl in Zivilkleidung, Zeit der 1. Republik, Quelle: Dr. OBERSTEINER, Archiv Wildon

5. Alte Ansicht des Zenone- Schlössels in Wildon, "Hengist Magazin", 7. Jhg, Heft 3/2011

6. Das Zenone- Schlössel heute