URBAN Otto, Oblt – Rittm, Freiherr/Baron

geb.: 21. Jänner 1888, Römerbad/ Rimske Toplice,

gest.: kurz nach seinem 85. Geburtstag, am 27. Jänner 1973,

Heirat am 05-09-1914 mit Nora BERSA von LEIDENTHAL (verst.: 88-jährig am 1. April 1977).

 

Otto musterte am 01-12-1906 als Leutnant von der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt aus und kam zum DR 5 am 18-08-1907.

 

Großvater: FM Karl von URBAN.

 

"Ottos militärische Karriere hatte mit neun Jahren begonnen. Die ersten vier Schuljahre hatte er mit Hilfe einer Gouvernante zu Hause absolviert. Mit neun wurde er in die Kadettenschule gesteckt. Den Armen seiner Mutter entrissen, wurde ihm von einem bärbeißigen Unteroffizier eine viel zu große Mütze über die Ohren gestülpt, der kleine Körper in eine viel zu große Uniform gesteckt. Dem Lehrer, der ihn fragte, was sein Vater sei, gab er, wie aus der Pistole geschossen, die Antwort: „Ein Held!“ Die nächste Station des jungen Zöglings war die Militär-Kadettenschule in Mährisch Weißkirchen. Die letzte die Akademie in Wiener Neustadt. Das zweite Romanen-Grenzregiment, dem unter seinem Großvater für die Heldentat bei Maroseny 1849 die goldene Tapferkeitsmedaille an der Fahne zu tragen verliehen worden war, hatte Otto als künftigen Leutnant angefordert. Da aber Graf Wurmbrandt, ein Freund seines Vaters, durch den Reitlehrer Oberleutnant Baron Hohenbühl in Erfahrung gebracht hatte, daß der kleine Urban ein vorzüglicher Reiter sei, riet er ihm, sich zur Kavallerie zu melden. Gleichzeitig forderte er ihn für das 5. Dragonerregiment, dessen Kommandant er war, an. Baron Hohenbühl hatte dem jungen Leutnant noch das eigene Pferd ausgesucht. Das zweite, das Chargenpferd, gehörte dem Staat, bis es nach vier Jahren um  900 Kronen übernommen wurde. Das Chargenpferd hieß Hypolit, ein hervorragendes Pferd"

(aus: "Wir alten Österreicher", Nora Urban).

 

Otto war zu Beginn des Krieges Eskadrons-Kommandant-Stellvertreter der 5. Eskadron. 1916 wurde URBAN Schwadronskommandant, war zwischenzeitlich Regimentsadjutant, trat aber dann wieder an die Spitze seiner 5. Schwadron. Am 1. Februar 1916 wurde er zum Rittmeister befördert.

 

Otto wird im Buch 20x genannt, hier einige Auszüge:

 „Am 15. November 1914 wurde Oblt. Freih. v. URBAN mit einer aus Reitern der 5. und 6. Eskadron zusammengestellten Halbschwadron dem Nachrichtendetachement des Hptm DURLACH (3 Komp. u. 1 MG.­ Abt. bh. IR 2) zugewiesen.“  - Eine interessante taktische Mischung: kampfkräftige Aufklärung, heute würde man es "Jagdkommando" nennen:

„Eine Patrouille unter Oblt. URBAN vertrieb eine Kosakenpatrouille aus Wretro. Das Detachement selbst nächtigte in Cergowa bei Dukla und ging am nächsten Tage auf Rowne vor. Oblt. URBAN wurde mit einer Patrouille auf die Höhe 347 östlich Iwonicz, Fähnr. Freih. v. WIMMERSPERG mit acht Reitern gegen Rymanow entsendet, um die Bewegungen auf der Straße und Eisenbahn Rymanow - Krosno zu erspähen“.

„Am 16. Dezember 1914 war Oblt. Freih. v. URBAN der 5. Esk. zur Verbindung mit dem III. Korps nach Jaslo abgestellt.“

 

März 1915: „Von der Dragonerdivision wurde unter Befehl des Oblt. URBAN eine 60 Karabiner starke Abteilung zu Fuß als Divisionsreserve hinter die Kampfstellung beordert und die Handpferde in dem nördlich Luh (westlich von Delatyn) gelegenen Dorfe Lubizna untergebracht“.

 

Frühjahr 1916: „Die Schützendivision unter Obstlt. GÖTZ setzte sich aus vier Schützenschwadronen (zwei von D 5, zwei von D 15), einer Maschinen-gewehrschwadron und einer Infanterie-Geschützabteilung (von D 15) zusammen. Schwadronskommandanten waren: Rittm. URBAN (5. Schwadron) und MATTAUSCH, Oblt. Max LOHNER (D 15) und Rittm. HERZIG (D 15, - dies war verm. jener Offizier, der bei Jaroslawice im August 1914 bereits die MG-Abteilung der 4. KavDiv führte und eine entscheidende Rolle spielte), die IG.-Abt. führte Lt. v. GALATTI (D 15)“.

 

Interessant ist hier die Bezeichnung "Schützenschwadron", ein Hinweis, dass die Soldaten sowohl beritten als auch un-beritten zum Einsatz kamen.

 

Militärverdienstkreuz III. Klasse

Silberne Militärverdienstmedaille

 

 

Von seinem Enkelsohn, Alexander Urban und von dessen Mutter, Otto’s Schwiegertochter, stammen zahlreiche Fotos und weitere Schilderungen:

 

Bei Kriegsende wussten die Urbans nicht, wie es weitergehen sollte, hatte doch Otto, außer dem Kaiser zu dienen, nichts gelernt und besaß kein Vermögen, und Noras Heiratskaution war auf den Wert einer Zigarettenschachtel zusammengeschrumpft. Die weiteren Stationen ihres Lebens nach den Kriegswirren waren etwas abenteuerlich. Mit dem Erlös für das Marburger Haus, das sie in des Tochters Puppenwagen über die Grenze geschmuggelt hatten, erwarben sie in Flöcking bei Graz ein kleines Gut mit einigen wenigen Joch. Leider warf es nicht genug ab, um die 5-köpfige Familie, die 4 Dragoner, die Otto mitgenommen hatte, weil sie nicht wussten wohin sie gehen sollten, sowie die 4 Pferde das Auskommen zu sichern. Nach dem Tod des erstgeborenen Sohnes Ernst, verließen sie Flöcking und mieteten in Stifting bei Graz das wundersame Haus des Kammersängers MANOWARDA.

 

Otto versuchte sich in Graz mit seinem Partner Rudolf DITMAR als Autokonstrukteur. Nach zwei erzeugten Exemplaren des D&U ward alles Geld dahin und der Gerichtsvollzieher häufiger aber unwillkommener Gast. Die Familie übersiedelte nach der Geburt des Sohnes Karl nach Klagenfurt, wo Otto die Vertretung von Tatra übernahm und auch Fahrstunden gab. Einst hatte der kleine Otto als man ihn fragte, was sein Vater sei, "Ein Held!" geantwortet, der kleine Karl gab auf dieselbe Frage, "ich glaube Chauffeur" zur Antwort. So ändern sich die Zeiten!......"

 

Nora arbeitete nicht nur in der Kanzlei mit, sie schrieb und malte und trug  mit ihrer künstlerischen Tätigkeit Einiges zu den Finanzen der Familie bei. Bei einem Bombenangriff 1944 wurde das Areal von Tatra getroffen und zerstört und damit war auch Ottos Haupteinnahmequelle dahin.

 

"1945 gelang es Otto mit einigen Mitstreiter Herke, Lukas und Gressel, dass die Engländer vor den Jugoslawen Klagenfurt einnahmen. Als Dank bot man ihm eine Stellung in der Landesregierung an. Er lehnte ab, sehr zum Leidwesen Noras, die sich für die Familie ein sicheres Einkommen gewünscht hätte, mit der Begründung er wolle nicht in einem Bureau verstauben. Er entschied sich, Verkehrssachverständiger zu werden und war als solcher sehr geschätzt.

Nora wurde Mitglied des PEN-Clubs, schrieb für verschiedene Zeitschriften und Verlage. Mit der Übersetzung von Dantes 'Göttlicher Komödie' gelang ihr mehr als ein Meisterwerk. Dazu kamen noch Gedichte und ein Roman: "Im Morgenwind”. Ein weiterer Roman über den Geldfälscher Ritter von Bohr wurde ihr von einem Verlag leider veruntreut. Sie malte und hatte auch damit großen Erfolg."

 

Nora Urban schrieb ein persönliches Tagebuch mit dem Titel "Wir alten Österreicher", welches demnächst in Form eines Buches veröffentlicht werden wird.

 

Galerie unten:

1. Vor 1914, Otto als Leutnant, rechts, mit Sulkowski (Mitte), verm. Fanfogna (sitzend) und vielleicht Marino Pace (links).

2. Vor 1914, Otto Urban als ObLt, sitzend am Boden, mit Graf Thurn und Gattin, Katz und Hund.

3. Vor 1914, am Pferd.

4. Mit Gattin Nora, als Oberleutnant.

5. 30-08-1914, Sekowa, li-re: verm. Fanfogna, Auersperg, verm. Arbesser, Urban, Pippal.

6. 13-10- 1914, bei Sierakosce, li-re: Unbek., verm. Kratochville, Auersperg, Thurn, Urban.

7. 12-01-1915, bei Florynka,  li-re: Auersperg, verm. Arbesser, Urban, verm. Oberarzt Kalser.

8. 11-01-1915, bei Florynka, Otto mit Sektflasche in der Mitte.

9. undatiert, li-re: (verm.) Fanfogna, Wimmersperg, Auersperg, Kratochville, Urban, Kalser.

10. 18-05-1915, bei Luh, mit Obst Kranz.

11. Karpaten 1915, Graf Thurn, Besuch von Mädy Thurn.

12. Mai 1915, bei Luh, Otto Urban links.

13. Ende Juli 1915, Besuch von Nora, bei Nizniow  li-re: Nora Urban, Wimmersperg, Otto Urban sitzend, verm. Kranz, Kalser.

14. Automobil Ditmar&Urban, restauriert.