Die Kriegstagebücher und Dokumente

Die Kriegstagebücher (KTB), Abschriften, Briefe und Berichtsbeiträge im Marburger Archiv umfassen tausende handgeschriebene Seiten. Sie schildern weit mehr Details als das veröffentlichte Buch mittels persönlicher Geschichten, Schilderungen von Zuständen und Tagesgeschehnissen einschließlich Listen von Mannschafts-Soldaten und Pferden (einschl. ihrer Namen!).

Dem Umstand des engen Zusammenhalts der Offiziere nach dem Krieg ist es zu verdanken, dass dieses Material zusammen-getragen und aufbereitet wurde. Seit Jänner 1919 gab es Veteranentreffen sowohl in Wien (Hotel Imperial und Opern-Restaurant) als auch in Graz (Hotel Erzherzog Johann, Hotel Elephant). Am 18. Oktober 1921 erfolgte die Gründung des „Verbandes der Offiziere des ehem. k.u.k. DR 5“ mit anfangs 102 Mitgliedern. Am 30. Oktober 1923 kam es auch zur Gründung des „Mannschaftsverbands des ehem. k.u.k. DR 5“.

 

Otto von GARIBOLDI selbst (mehrmals in der Funktion als Adjutant des DR 5) steuerte zweifelsfrei das meiste Material bei: insgesamt 8 KTB der Jahre 1914 – 1918 sowie mehrere Kriegsakte.

Kurt Freiherr von KRIEGHAMMER, von dem leider noch immer keine persönliche Daten und Fotos gefunden werden konnten, obwohl gerade er im Veteranenverein äußerst aktiv war, lieferte den zweitstärksten Beitrag (4 KTB).

 

Die weiteren Beitragsleistenden waren:

 

Karl („Cary“) Borromäus Arthur Heinrich Richard Maria ZENONE, Conte (Graf) [von Castelceriolo], dessen tragische Biographie sehr umfangreich hier dokumentiert werden kann. Er berichtete von seiner Flucht aus russischer Gefangenschaft.

 

Georg Graf von WALDBURG-ZEIL LUSTENAU-HOHENEMS, der seinen Beitrag als Nachlass für seine Kinder schrieb, seine Nachfahren diesen aber bisher nicht kannten.

 

Robert Ignacio Joseph Maria Altgraf zu SALM-REIFFERSCHEIDT-RAITZ, der seine Kriegsaufzeichnungen als ehemaliger Kommandant der II. Division DR 5 zur Verfügung stellte.

 

Freiherr Thassilo von WIMMERSPERG, den GARIBOLDI als „vornehmen und ganzen Soldaten, aus dem Holz geschnitten, aus dem die allerbesten Offiziere stammen“ beschrieb. GARIBOLDI bedauerte in einem Brief im Jahre 1929, dass Tassilo „leider eine zu kurze militärische Karriere hatte“, nicht wissend, was er eigentlich prophezeite: Er wurde am 15. Juni 1940 (45-jährig) bei Saint-Chéron „nachdem er tags zuvor den Einmarsch in Paris mitgemacht hatte“ tödlich verwundet und verstarb einen Tag später.

Sein Beitrag gibt neben interessanten Erlebnissen auf der unteren taktischen Ebene vor allem bisher Unbekanntes über den Rückzug aus der Ukraine im Jahre 1918, als die Monarchie und die Armee zu zerbrechen begann.

 

Freiherr Ulysses Nikolaus SIMUNICH berichtete insbesondere über das erste Kriegsjahr. Er ist leider ein noch kaum identifizierter Chronist. Es ist zu hoffen, dass dieses Forschungsprojekt gerade über ihn mehr zu Tage bringen wird.

 

Herbert GRATZY, Edler von WARDENEGG, der mit seinen Erlebnissen bei der sog. Fuß-Eskadron im Jahre 1915 bei der 4. Kav Div beigetragen hat, verblieb weiter Offizier im Österreichischen Bundesheer der 1. Republik, später in der Deutschen Wehrmacht und war Einer der ersten Militärfallschirmspringer, eine Leidenschaft die aber auch seinen frühen Tod forderte.

 

Karl PIPPAL war für lange Zeit der Adjutant des Regimentes und somit für die Personal-Aufzeichnungen und Kriegstagebücher zuständig. Er leistete einen erheblichen Beitrag zur Aufarbeitung und Dokumentation der Geschehnisse. Ebenso war er Kommandant der 2. Eskadron.

 

Marino Graf PACE von FRIEDENSBERG ist relativ gut dokumentiert, alleine ein identifiziertes Foto fehlt. Er kehrte 1918 nach russischer Gefangenschaft auf seine Güter in Tapogliano zurück und war von 1921 bis 1926 Bürgermeister von Tapogliano, von 1943 bis 1945 Präfekt der deutschen Administration von Görz.

 

Simon Conte FANFOGNA, Gutsherr der Festung von Trogir, schilderte zahlreiche Details vom Kriegsbeginn bis zu seinem gesundheitlichen Ausfall in den Karpaten Frühjahr 1915.

 

Franz Moritz Phillip TAX-SZILVAY konnte aufgrund seines Nachlasses (einschließlich Fotos), den die Familie zur Verfügung stellte, bestens dokumentiert werden. Im Marburg-Archiv befindet sich sein Nachkriegs-Ehrenschiedsverfahren (durch die Veteranen des DR 5) in Bezug auf einen Gefechtsvorfall, als er bei der MG-Abteilung 11 eingeteilt war.

 

Artur Freiherr von PIELSTICKER war als Kommandant dieser MG-Abt. der Kontrahent in diesem Verfahren. Sein Profil kann als identifiziert angenommen werden („circumstantial evidence“), seine Lebensgeschichte ist aber noch nicht gänzlich bekannt (im III. Reich SS-Sturmbannführer?).

 

Ernst Karl Josef Maria BISSINGEN-NIPPENBURG, ein rechter Haudegen, da er fortwährend bei „Sonderkommandos“ teilnahm, trug mit eben diesen detaillierten Schilderungen darüber bei.

 

Gilbert Heinrich Karl IN DER MAUR von STRELBURG und FREYFELT schilderte eine ganz besondere Geschichte: Ende 1918 war IN DER MAUR abgetrennt vom Regiment an der Italien-Front. Ihm und seine Schwadron gelang es, wohl als Einzige, beritten in voller Bewaffnung bis nach Innerösterreich, Innsbruck, zu entkommen. Er war auch Autor des Buches „Der Weg zur Nation- Jugoslawiens Innenpolitik 1918-1938“.

 

Emmerich MAYER konnte bislang nicht erfasst werden. Er schrieb, dass er 1914 einen schweren Reitunfall erlitt, danach bei der Staatsanwaltschaft in Laibach als Berater eingesetzt wurde und dann bis 1918 an der Isonzo-Front kämpfte, bis zur Verlegung nach Verdun, wo die „österr. Truppen noch kämpften ohne zu wissen, dass die Monarchie bereits zerfallen war“.

 

Wilhelm NAGL wurde von seinem Bruder, Dr. Nagl, Staatsanwalt, wohnhaft in Korneuburg dokumentiert. Wilhelm, im März 1915 aus der Militärakademie als Leutnant zum DR 5 ausgemustert, kam vorerst zum IR 93, wo er sich in den Kämpfen der 7. Armee in Ostgalizien und der Bukowina bewährte. Im Herbst 1916 wurde er Beobachter und Pilot und fiel bei Motta am 22. Mai 1918 im Luftkampf gegen englische Flieger.

 

Hadrian OFENHEIMER schrieb zahlreiche Erlebnisse als Zugskommandant. Seine Lebensdaten sind noch gänzlich unerforscht. Spuren wären in Rače-Fram, Slowenien aufzunehmen, da er vom Schloss Kranichsfeld- Frauheim seine Briefe schrieb. Sein vorhandener Beitrag endet auch recht abrupt, was vermuten lässt, dass daraus etwas entnommen wurde. Auch ein zusätzlicher Schriftverkehr fehlt.

 

Erich Graf ATTEMS-GILLEIS schrieb über den Tod seines Vetters Max Ernst Reichsgraf von ATTEMS-HEILIGENKREUZ. Beide konnten mit Hilfe der Familie ATTEMS-GILLEIS sowie der Kuratoren der Burg Attems in Windisch-Feistritz/Slovenska Bistrica eindeutig identifiziert werden.

 

Georg und Alfred MÜLLER schrieben GARIBOLDI in Briefen ihre militärischen Erlebnisse. Ihre Schweizer Nachkommen überließen ihre Lebensdaten und Fotos.

 

Dr. Stefan Freiherr von GALLATI berichtete über die Infanterie-Geschützabteilung beim DR 15. Seine Lebensdaten sind noch nicht erfasst. Die Spuren führen ebenfalls in die Schweiz.

 

Im Archiv befinden sich auch Gedichte von Fähnrich Harry von KREKICH-STRASSOLDO, Edler von TREULAND. Er kam Ende Juli 1916 zur I. Division und wurde später zu einem Jäger Bataillon an der Tiroler Front versetzt. Dort verunglückte er bei einem Patrouillengang durch Absturz am 4. Juli 1918 tödlich.

 

Dr. Friedrich WEIGEND, 1937 Vorsitzender des Verbandes deutscher Zeitungsherausgeber in der Tschechischen Republik und Herausgeber des Teplitz-Schönauer Anzeigers und Schlaraffia-Bruder GARIBOLDIs trug einen kurzen Bericht über seinen Kriegsdienst bei. Lebensdaten und Foto derzeit nicht vorhanden.

 

Dr. Wilhelm Georg, Edler von KAAN, schilderte die Begebenheiten anlässlich derer er insgesamt 3 Silberne Tapferkeitsmedaillen verliehen bekam. Seine Identität konnte noch nicht erfasst werden, insbesondere was den möglichen Bezug zum ersten Landeshauptmann der Steiermark in der Ersten Republik betrifft.

 

Otto WINDS schrieb interessante Einblicke über die Reserve Eskadron im Gebirgskriege in Serbien und Montenegro. Auch seine Lebensgeschichte ist unbekannt.

 

Heinrich PALM lieferte hochinteressante Schilderungen über das mobile Pferdespital Nr. 16 in Mostar, Tuszla, Mitrovica und Laibach und über das zentrale Pferdespital in Zagreb.

 

Kommerzialrat Albin SORGER-DOMENIGG, der gutbekannte Großbäcker von Graz, schilderte seine Aufgabe in der kriegswirtschaftlichen Diensttätigkeit von 1915 – 1920. Eine genaue Biographie ist noch ausständig.

 

Karl Friedrich Franz Maria, Freiherr von Teuchert-Kauffmann, Edler von TRAUNSTEINBURG, vormals DR 5, schilderte seine Verwendung als Ordonnanzoffizier beim III. Korps in Galizien und am Isonzo 1914 - 1916.

 

Interessant ist, dass nur wenige Eskadron-Kommandanten (außer GARIBOLDI selbst) in Form von Beiträgen im Archiv vertreten sind. Das mag wohl damit zu erklären sein, dass deren Kriegserlebnisse GARIBOLDI unmittelbar kannte und er diese in seinem persönlichen Manuskript bereits mitberücksichtigte. Allerdings klagte GARIBOLDI damals auch in seinen Briefen an BERNDT und AIROLDI über eine allgemeine mangelnde Beitragsleistung der Veteranen.

 

Das Regiment besaß ein Regimentsalbum mit zahlreichen Fotos, welches jedoch laut GARIBOLDI beim Zusammenbruch der Monarchie in Verlust geraten ist. 

 

Die DR 5 Standarte und die silberne Regimentstrompete wurde durch Otto Freiherr von URBAN nach dem Umsturz in Marburg aus der Regimentskanzlei „sichergestellt“ (Quelle: Nora URBAN; „Wir alten Österreicher“) und dann dem damalig existierenden Militärmuseum in Graz überlassen. Die Trompete ist heute im Muzej novejše zgodovine Slovenije in Laibach, die Standarte war nachweislich bis in die 30er Jahre im Besitze des DR 5 Offiziersverbands. Ihr Verbleib ist bislang unbekannt.

 

 

Wie aber kam GARIBOLDIs Nachlass ins Reginonalarchiv von Marburg?

Die Recherchen ergaben, dass Otto GARIBOLDI im Sommer 1945, Ende des II. Weltkriegs von Marburg nach Graz fliehen musste. Der Hausmeister seines hinterlassenen Hauses in Maribor, Majstrova ulica 11, war offenbar der Vater von Dr. Sergej VRIŠER, dem späteren Museumsdirektor und Professor in Marburg. Sergej VRIŠER erhielt, vermutlich schon als Student, GARIBOLDIs Nachlass und schrieb schließlich sehr spät in seinem Leben das Buch „Finfarji: Štajersko-koroško-kranjski dragonski polk št. 5“ (2000). Der mittlerweile verstorbene Dr. VRIŠER dürfte somit den Nachlass GARIBOLDI dem Archiv Maribor überlassen haben. Die Original-Bilder des VRIŠER-Buchs wurden allerdings noch nicht gefunden.

 

Bilder 1 - 3:

Das Ehrensignal Horn des DR 5, "Den todesmutigen Schützern unseres geliebten Vaterlandes zur Kaiserfeier 1916 gewidmet von der Stadtgemeinde Marburg", Muzej novejše zgodovine Slovenije

 

Bild 4: Der Verbleib der Standarte (Foto aus „Finfarji: Štajersko-koroško-kranjski dragonski polk št. 5“ (2000), Dr. Sergej VRIŠER) ist derzeit noch unbekannt.